Archiv: Dienstag, 14. Oktober 2008
Herbst ohne Sonne
Gestern Morgen hatten wir noch strahlenden Sonnenschein, aber dass dieser vergeht, wurde in den Medien schon vor Tagen angekündigt. Also habe ich beschlossen, im Exotischen Garten von S-Hohenheim noch ein wenig zu fotografieren.
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Doch, ich habe es befürchtet… schon mittags schoben sich Wolken vor die Sonne. Trotzdem bin ich im Park geblieben und habe fotografiert.
Gerade die feinen Farbnuancen kommen ohne Sonne viel besser zum Vorschein.
Der Rhododendrongarten ist auch im Herbst farbenprächtig anzuschauen.
Das Leuchten des kleinen Baumes im unteren Bild lässt vergessen, dass die Sonne wolkenverhangen ist.
Nanu, ist da vorn ein Eckchen Frühling?
Nein, der Busch blüht nicht, sondern seine Blätter haben sich in verschiedene Rosatöne verfärbt.
Die Rot- und Orangetöne dieser Blätter würde meine Digi im Sonnenlicht nicht erfassen können.
Diese Zier-Äpfel, genannt Butterball, sind nur kirschgroß und gehören zur Familie der Rosengewächse.
Wunderschön, wie das Rot des wilden Weins mit dem Grün und Gelb des kultivierten Weins verflochten ist.
Faszinierend finde ich, dass jedes Gewächs seine eigene individuelle Laubfärbung hat, während das Grün im Sommer sich kaum voneinander unterscheidet.
Heute ist es stark bewölkt und so wollen wir uns einfach am bunten Laub erfreuen, das jeden trüben Herbsttag sonniger erscheinen lässt als einen trüben Tag im Sommer.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Ja, meine Tochter studiert in Ravensburg. Auch ich habe studiert und so habe ich mich erinnert, wie es denn damals bei mir war. Einiges haben meine Tochter und ich gemeinsam, aber es gibt auch gravierende Unterschiede.
Als ich beschloss, das Gymnasium schon nach der
Ich überließ meiner Tochter die Entscheidung darüber, was sie wo studiert. Selbst einen Wunsch, im Ausland zu studieren, hätte ich unterstützt. Natürlich ist es nicht einfach, ein Kind ziehen zu lassen, aber so ist nun mal der Lauf der Natur.
Ich habe einen Studienplatz gefunden, der nur eine Autostunde von zu Hause entfernt war. Außerdem war ich schon damals im Besitz einer kostenlosen Wertmarke, die mir Gratisfahrten mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln ermöglichte. So hatte ich die Möglichkeit, immer wieder mal nach Hause zu fahren.
Meine Tochter hat einen Studiengang gewählt, für den es im süddeutschen Raum nur diese eine Berufsakademie gibt. In Ravensburg. Mehr als doppelt so weit weg wie mein Studienort von meinem Zuhause entfernt war. Sie braucht für eine Strecke etwa zwei Stunden. Deshalb und weil die Fahrt Benzin oder Bahnticket kostet, wird sie nur alle paar Wochen nach Hause kommen. Da sie vierteljährlich jeweils im Block studiert und arbeitet, wird sie sich im Jahr zweimal ein Viertel Jahr in Stuttgart aufhalten, denn den praktischen Ausbildungsplatz hat sie bewusst hier in der Nähe gesucht.
Ich konnte es kaum erwarten, endlich von Zuhause auszuziehen. Mir kam es auch gar nicht in den Sinn, meine zwei Praxissemester in der Nähe meiner Mutter zu absolvieren. Im Gegenteil, ich hätte gern das zweite Praxissemester in Chile verbracht, aber leider fehlte mir dafür ein bestimmter Nachweis.
Von Anfang an hatte ich mich in die Stadt Esslingen verliebt. Ich verbrachte sogar viele Semesterferien dort, denn Esslingen war für mich schnell zur Heimat geworden.
Meine Tochter findet Ravensburg ganz nett, aber ihr Herz hängt dennoch an Stuttgart. Wenn es finanziell machbar und die Fahrerei nicht so stressig wäre, würde sie so oft wie nur möglich nach Hause kommen wollen. Hätte meine Tochter die Wahl gehabt, hätte sie gern hier in Stuttgart einen Studienplatz genommen.
Gewohnt habe ich in einem Studentenwohnheim gleich hinter der Fachhochschule. Im Keller. Da das Wohnheim an einem Hang stand, hatte ich ein normales Fenster im Zimmer. Aber die Küche war nur mit einem Oberlichtschacht ausgestattet. So waren wir nur zu Acht auf der Etage, während in den oberen Stockwerken
Meine Tocher hat ein Zimmer in einer vom Studentenwerk betreuten Studenten-WG gefunden. Sie hat noch sechs weitere Mitbewohner, mit denen sie sehr gut auskommt. Natürlich wird auch sie im Laufe der nächsten drei Jahre ihrer Studienzeit andere Mitbewohner bekommen, aber ich bin mir sicher, dass sie nie Probleme haben wird, Anschluss zu finden.
Meine Mutter konnte sich nie damit abfinden, dass ich mein Leben selbständig und ohne sie gestalten wollte. Sie versuchte immer wieder, mich nach Hause zurück zu locken oder mein Heimkommen durch Selbstmorddrohungen zu erpressen, aber je intensiver sie sich um mich bemühte, umso weniger ließ ich mich bei ihr blicken.
Natürlich hätte ich gerne meine Tochter bei mir, aber andererseits genieße ich meine Freiheit. Kein “Mama, was gibt es zu essen?” Und “Wann gibt’s was zu essen?” Und auch meine Waschmaschine hat lange nicht mehr so viel zu tun, seit meine Tochter weg ist.
Ich bin stolz auf meine Große und ich wünsche ihr jeden Platz in der Welt – nur nicht den auf dem Schoß oder an der Seite ihrer Mama.










