Archiv: Dezember 2011
Gemütlich
Nachdem meine Stimmung also wieder besser wurde, habe ich einfach mal angefangen, dem Chaos im Wohnzimmer Herr zu werden. Unter einem Berg von Post, Altpapier und einigem mehr habe ich doch tatsächlich einen Tisch gefunden!
Während des Aufräumens trudelten immer wieder SMSse von lieben Freunden ein.
Der Tag wurde immer besser!
Und dann kam am Nachmittag meine Tochter und krempelte sofort ihre Ärmel hoch.
Sie…
… setzte Kartoffeln für den Kartoffelsalat auf.
… schmolz Schokolade und rührte sie in die Schlagsahne.
… räumte und saugte im Wohnzimmer in Ecken, in denen sich schon seit Monaten nicht nur Staub, sondern auch “Gruschd” (Zeugs) angesammelt hat.
… räumte die beiden Fensterbänke leer. (Wir sind immer noch im Wohnzimmer!) Ich wusste gar nicht, wie leicht es war, Nippes einfach so in den Müll zu werfen! ![]()
… tat sämtliche Bistro-Gardinen in meiner Wohnung in die Waschmaschine.
… putzte die Fenster im Wohnzimmer. Boaaah, jetzt erst fiel mir auf, wie sehr sie verschmutzt waren!
… hing alle Gardinen wieder ans Fenster.
… befreite alle vier Essstühle, die gepolstert sind, von Katzenrückständen.
… wischte das Wohnzimmer und den Flur nass heraus.
… machte den Kartoffelsalat.
Als meine Tochter im Wohnzimmer loslegte, wusste ich, jetzt macht sie es gründlich, doch ich ließ sie gewähren. Wir hatten ja keinen Zeitplan und wen juckt es, wenn wir erst um Mitternacht essen sollten und dann Bescherung hätten?
Nein, Mitternacht wurde es nicht. Um 20:30 Uhr waren das Wohnzimmer sauber und das Essen fertig. Jetzt fehlte nur noch mein Sohn, doch eine halbe Stunde später war er endlich da.
Mit vielen Kerzen im ansonsten dunklen Zimmer kam richtig festliche Stimmung auf.
Zum Essen gibt es immer, was es schon in den Familien meiner Eltern und Schwiegereltern gab: erst eine einfache Bohnensuppe, dann Kartoffelsalat mit Saitenwürstchen (Wiener Würstchen). Ich mache immer noch einen Gurkensalat dazu, manchmal auch noch irgend einen Blattsalat. Heute war es nur Gurkensalat.
Da meine Kinder meinen Kartoffelsalat, nämlich mit Mayonnaise angemacht, nicht mögen, ist meine Tochter für die Zubereitung des Kartoffelsalats zuständig.
Als Nachtisch gibt es bei uns Mousse au Chocolat. Dazu wird Milka Alpenmilchschokolade im heißen Wasserbad geschmolzen und dann mit Schlagsahne verrührt.
Wir nehmen so viele Tafeln Schokolade wie Becher Schlagsahne.
Dann wird das Ganze kalt gestellt.
Am Abend wird das dann wie Schlagsahne geschlagen.
Die Bescherung war für alle überraschend, zufriedenstellend, freudig.
An dieser Stelle “Danke!” nach Butzbach für die Äpfel.
Und “Danke!” ins Gäu für das Schweißband! Sobald mein derzeitiges verratzt ist, werde ich das neue verwenden. Bist Du Dir sicher, dass es bis dahin in meinem Haushalt nicht verloren gegangen sein wird?
Meine Kinder sind jetzt wieder fort.
Und ich bin müde.
Vom Brand… vom Apfelbrand…
Stimmungsaufheller
Die am meisten ersehnten Grüße habe ich nun endlich erhalten!
Heiligabend
Ich bin nicht in Weihnachtsstimmung. Nein, ü-ber-haupt nicht!
Der Schnee, der am Dienstag massenhaft herunterkam, ist wieder komplett weggeschmolzen. Der Himmel ist grau.
Meine Kinder zeigen sich nicht.
Hier in der Wohnung sieht es zum Davonlaufen aus.
Keiner schreibt mir eine SMS oder schickt mir eine eMail.
Ich habe noch ein kleines bisschen Schnupfen (am Dienstag bin ich mit einer Wahnsinnserkältung aufgewacht, am Mittwoch konnte ich nicht mal mehr zur Arbeit gehen), dafür huste ich mir seit gestern die Lunge ausm Leib.
Davonlaufen… das gefällt mir jetzt. Aber meine Kinder verlassen sich wie jedes Jahr darauf, dass ihre Mama es bis heute Abend hier sauber und gemütlich aussehen lässt. Außerdem denke ich, dass meine Tochter bestimmt noch auftauchen wird, um nass herauszuwischen.
Die Sonne schiebt sich gerade durch die Wolkendecke.
Es gibt noch einen Lichtblick: sowohl aus Butzbach als auch aus dem Gäu liegt hier Post, die ich erst heute Abend mit meinen Kindern unter dem nicht vorhandenen Christbaum öffnen werde.
Euch und all denen, die Euch lieb sind, wünsche ich ein besinnliches Weihnachtsfest und frohe Feiertage!
Falsch gekleidet?
Am Samstag waren die Besucher des Technoclubs aufgerufen, in Jogginghosen zu erscheinen. Den DJ des Clubs kennt man nur in grauen, schlabberigen Jogginghosen.
Jedem Clubbesucher, der am Samstag in Jogginghosen erscheinen würde, hat man ein Dosenbier versprochen. Diesen Gag machte ich natürlich mit, obwohl meine beiden Technofreunde ankündigten, wie immer angezogen zu sein.
Samstag spätabends stand ich an der Bushaltestelle. In der Jogginghose. Ein merkwürdiges Gefühl. Zum Glück wartete ich allein auf den Bus. Ich war auch der einzige Fahrgast und dem Fahrer schien es egal gewesen zu sein, was ich anhatte.
In der U-Bahn kam ich mir dann noch blöder vor. Obwohl mich niemand schief anschaute, hatte ich dennoch das Gefühl, Fasching irgendwie verpeilt zu haben.
Beim Club angekommen hatte ich sehr stark das Gefühl, mich mit meinem Outfit zu blamieren. Eine Warteschlange von Clubgästen gab es nicht und die wenigen, die in den Club hineingehen wollten, hatten Jeans an. Genauso die Türsteher und die Mädels an der Kasse. Oh mein Gott, war die Aufforderung auf Facebook, in Jogginghosen zu kommen nur Verarsche? Was nun? Schnell wieder nach Hause fahren und voller Scham ins Bett verkriechen?
Nein! Ich beschloss, so zu tun, als ob es für mich das Normalste der Welt wäre, in einer mir viel zu weiten Jogginghose herumzulaufen. Dass der Aufruf doch ernst gemeint war, merkte ich, als der Türsteher mir eine Dose Bier in meine Tasche steckte.
Zum Glück war ich nicht die Einzige in Jogginghosen. Aber die allermeisten Gäste trugen doch ihre üblichen Ausgeh-Beinkleider. Dosenbier scheint kein gutes Lockmittel zu sein. Als Veranstalter hätte ich den Eintrittspreis erst einmal um fünf Euro erhöht – um ihn den Jogginghosenträgern um eben diese fünf Euro wieder zu erlassen. DAS hätte gezogen, da bin ich mir sicher!
Kinderflüsterin
Wie Ihr wisst, arbeite ich inzwischen in zwei Kindergärten als Sprachhelferin für Kinder mit sprachlichen Defiziten. Wer mit Kindern zu tun hat, weiß, dass diese sehr unterschiedliche Temperamente haben können.
Im zweiten Kindergarten gehören zu meiner Gruppe ein Mädchen, von dem man mir sagte, dass es mit niemandem reden würde, und ein Junge, der sich an keine Regeln hält und auch Erziehern gegenüber oft sehr gewalttätig wird.
Mit dem sehr schüchternen Mädchen habe ich schon an meinem ersten Nachmittag im Kindergarten einen emotionalen Bezug herstellen können. Die meisten Kinder mögen es gekitzelt zu werden. Die Kleine habe ich unter dem Tisch ganz zaghaft am Knie und Schienbein gekitzelt.
Dann habe ich sie gefragt: “Soll ich damit wieder aufhören?”
Sie hat genickt.
Ich: “Oder soll ich weiterkitzeln?”
Sie hat zögernd genickt.
Ich: “Oder soll ich doch damit aufhören?”
Da hat sie ganz heftig mit dem Kopf geschüttelt und gegrinst.
Als das Mädchen von ihrer Mutter abgeholt wurde, habe ich dem Kind zum Abschied gesagt, dass ich bald wiederkäme und dass wir dann etwas Feines spielen könnten. Die Kleine hat mich angestrahlt, dass es mir richtig warm ums Herz wurde.
Eine Woche später hatte ich mehr den lebhaften Jungen im Visier. Mein Plan war, den Kindern eine einfache Geschichte zu erzählen, die die Kinder mit Orff-Instrumenten musikalisch untermalen durften.
Der Junge hämmerte wild auf ein Glockenspiel ein und wollte partout nicht zur Ruhe kommen. Strenge, fast laute Worte von mir ließen ihn kalt und ich merkte schon, wie das Blut in mir zu kochen begann. In solchen Situationen werde ich dann plötzlich ganz ruhig und überlege. Soll ich den “Störenfried” hinausschicken? Soll ich eine Erzieherin zu Hilfe holen? Nein, keine guten Ansätze.
Der Junge hatte sich inzwischen von den anderen Kindern gelöst und saß auf dem Boden. Ich habe mich blitzschnell hinter ihn gesetzt, ihn mit meinen Beinen fest umschlungen, an mich gedrückt und ihm mit fröhlicher Stimme mitgeteilt, dass wir nun die Geschichte gemeinsam erzählen. Zuerst versuchte er mir zu entkommen, doch er wurde plötzlich ganz ruhig, nachdem ich, ihn fest haltend, mit dem Erzählen der Geschichte angefangen habe. Der Junge benutzte sein Musikinstrument sogar getreu nach der Geschichte.
Nach dem Erzählen ließ ich das Kind kurz los. Es flüchtete ganz schnell weg von mir. Doch als ich ihm sagte, dass ich noch nicht fertig sei und ihm anbot, sich wieder zwischen meine Beine zu setzen, kam der ansonsten wilde Junge zu mir zurück und schmiegte sich lammfromm an mich.
Tja, Ihr Lieben, Ihr dürft mich Kinderflüsterin nennen.
Nicht nur die Erzieherinnen, sondern auch Mütter im privaten Umfeld, die mit ihren Kindern kaum fertig werden, sind jedenfalls ganz erstaunt, wie schnell ich es immer wieder schaffe, zu “komplizierten” Kindern einen guten Draht zu finden.
Vielleicht sollte ich doch noch in die Kinderpsychologie einsteigen…
