Archiv: Sonntag, 10. Mai 2009
Gise in Love
Gestern Vormittag habe ich nicht nur das Kleid für meine Tochter abgeholt, sondern auch gleich ein paar Blicke über die Kleiderstangen geworfen. Dabei ist mir ein kurzärmeliges, grobgestricktes, kräftigorangefarbiges Jäckchen aufgefallen. Ich habe eine junge Verkäuferin gebeten, mir das Teil mal umzuhängen. Sah gut aus, hätte ich fast gekauft. Aber ich habe vorher dieses Jäckchen auch in Marineblau gesehen gehabt und auch dieses anprobiert. Das sah noch besser an mir aus, also habe ich es und ein helles Top für drunter mitgenommen.
Es ist schon erstaunlich, wie ein Flirt einen Menschen verändern kann. Mir ist jetzt erst bewusst geworden, wie sehr ich mich seit dem Ende meiner letzten Beziehung vor zweieinhalb Jahren vernachlässigt habe. Ich habe mich aufgegeben, ich habe mich schlechter gemacht als ich bin.
Ein Flirt ist freiwillig und verpflichtet zu nichts. Für mich das Wichtigste ist, dass Flirten meinem Selbstwertgefühl gut tut.
Schon merkwürdig, wie genau man sich seelische Verletzungen, Kritiken und Abfuhren merkt. Oftmals wirken sie sich nachhaltig auf das eigene Nichtmehrwohlbefinden aus. Komplimente, Lob und Bewunderung Anderer vergisst man dagegen recht schnell oder beachtet sie erst gar nicht. Habe ich es nötig, mein Wertgefühl zu mindern? Nein. Dennoch tut es gut, von Anderen gelobt zu werden.
Gestern Abend wollte ich in die Disco gehen. Aber vorher wollte ich wissen, ob dieser Zauber, der in Bad Kissingen entstanden ist, noch besteht oder schon verflogen ist. Also habe ich dort angerufen – und er hat sich tierisch gefreut. Ich durfte dann unter Anderem hören, wie er seiner Kollegin erzählte: “Kennst du die Gisela? Sie war letztes Wochenende Gast bei uns. Achso, da warst du krank… Wie sie aussieht? Du, sie ist… eine wahnsinnig (oder sagte er: unglaublich?)… attraktive Frau.”
Hey, kann ich bitte mehr davon hören?
In die Disco bin ich nicht mehr gegangen. Wozu auch? Außerdem hat es zwischenzeitlich zu gewittern und regnen angefangen. Ohne Auto bin ich bei nassem Wetter nicht gern unterwegs.
So, jetzt weiß ich, was ich wissen wollte, jetzt geht es mir richtig gut. Ich bin okay so wie ich bin, mitsamt meinem Dornengestrüpp und meiner Zurückhaltung, denn es gibt Menschen, die dahinterschauen können oder denen gerade diese Art an mir gefällt.
