Feierliches Gelöbnis
Gestern fanden in der Bundeswehrkaserne, in der zur Zeit mein Sohn dient, der Familientag und das feierliche Gelöbnis statt. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl zu erleben, wie der Sohn, der sich bei Muttern und in der Schule mit Regeln und Vorgaben sehr schwer tat, der eigene Ideen in der Umsetzung von Aufgaben hatte und oftmals durchsetzte, nun freiwillig mit seinen Kameraden in Reih und Glied still steht und Befehle ohne Diskussionen ausführt.
Nicht nur ich habe gestern den ganzen Tag mit meinem Sohn, dem Schütze B., verbracht, sondern auch sein Vater, dessen kleine Schwester mit Mann und Kind (das übrigens nächsten Monat ein Geschwisterchen bekommt), der Opa väterlicherseits mit Frau, und zwei Freunde unserer Familie sind der Einladung meines Sohnes gerne gefolgt. Meinen Vater haben wir erst gar nicht gefragt, denn ich denke, dass er seine kranke Frau gewiss nicht allein lassen wollte. Meine Schwester war ebenfalls eingeladen, aber leider wurde sie gestern krank. Schwesterchen, wie geht es Dir heute?
Sohnemanns Schwesterchen wäre auch gern dabei gewesen, aber sie bekam bei ihrer Arbeit eine einmalige Gelegenheit, die sie nutzte, um wertvolle (Berufs-)Erfahrungen zu sammeln.
Mein Schwiegervater ist inzwischen ein Pflegefall. Außerdem kuriert er gerade eine schwere Bronchitis aus. Aber den gestrigen Tag mit seinem Enkel zu erleben, das ließ er sich nicht nehmen. Immerhin war er Berufssoldat. Sein ältester Sohn, der Vater meines Sohnes, war Zeitsoldat. Mein Sohn hat zumindest begonnen, diese Tradition fortzuführen, denn er überlegt sich bereits, nach der Grundwehrdienstzeit zu verlängern.
Ich wurde schon mehrfach gefragt, ob ich meinem Sohn diesen “Unsinn” nicht ausreden oder gar verbieten können hätte. Nein. Dafür gibt es mehrere Gründe:
1. Wenn mein Sohn einen Plan hat, lässt er sich davon nicht mehr abbringen.
2. Ich habe meinen Kindern nie etwas ausgeredet oder zu etwas anderem überredet oder gar befohlen. Im Gegenteil, egal, was meine Kinder vorhatten und noch vorhaben, ich habe sie unterstützt und werde sie unterstützen. Natürlich äußere ich meine Bedenken oder gebe ihnen meine Erfahrungen weiter, aber die letzte Entscheidung treffen meine Kinder selbst.
3. Das Argument derer, die die Bundeswehr als Unsinn abtun ist, wie es mir denn erginge, sollte mein Sohn in ein Krisengebiet geschickt werden.
Wenn es um die Angst geht, den Sohn in einem Kampfeinsatz zu verlieren, nun, ein Leben kann auch beim Überqueren der Straße beendet werden.
Hätte mein Sohn sich für den Beruf des Polizisten entschieden, wäre das sicherlich für viele Bundeswehrgegner die ehrenvollere Wahl, aber meine Sorgen um ihn wären nicht geringer.
4. und ganz wichtig!: Ich bin stolz auf meinen Sohn! Immerhin sichert und verteidigt er mit seinen Kameraden den Frieden, das Recht und die Freiheit in unserem Land.
Wie sagte Oberstleutnant Meyer zu uns Angehörigen der Rekruten so schön und treffend? Wir könnten stolz sein, “auf Ihre Kinder, die schon längst junge Erwachsene sind und die heute zu unseren Soldaten geworden sind. Wenn ein junger Mensch sich entschließt, zur Bundeswehr zu gehen, dann steht es uns nicht an, jeden neuen Tag diese Entscheidung zu kritisieren, sondern dann ist es die Aufgabe der Eltern, die Aufgabe der Gesellschaft, ihm oder ihr zu sagen, ich steh zu dir, ich nehme dich an mit dieser Entscheidung, ich will dich unterstützen.”

Freitag, 10. September 2010 um 23:43
Auf alle Fälle hoffe und wünsche ich, dass er nicht in Kriegsgebiete geschickt werden wird.
Ansonsten meine besten Wünsche für ihn und dich natürlich auch.
Viele liebe Grüsse
Samstag, 11. September 2010 um 22:24
ich war 18 monate bei der bundeswehr, war aber keine sekunde stolz darauf.