Deprimiert
Es regnet und das deprimiert mich. Dabei weiß ich, wie dringend die Natur jetzt Wasser braucht.
Mich deprimiert auch die Tatsache, dass ich immer noch kein Auto habe. Ich brauche dringend wieder Katzenstreu, aber ich scheue mich, irgendwelche Nachbarn oder Familie zu bemühen. Am Samstag war ich einkaufen – und bin schwer beladen nach Hause gekommen. Für ein Taxi bin ich zu sehr Schwäbin. (Wisst Ihr, was Schwaben sind? Schwaben sind Schotten, die wegen Geiz aus Schottland ausgewiesen
)
Aber wozu gibt es meine Efis (= Ehefrauinspe), wenn nicht dafür, dass sie nach wochenlanger Funkstille sich just dann meldet, wenn mir meine Welt nur noch trist und grau erscheint!? Sie hat mich darauf hingewiesen, dass es von der Stadt Fahrgutscheine gibt. Ich habe mir daraufhin sofort einen Antrag ausgedruckt und den werde ich nachher aufm Amt abgeben.
Was meinen Anwalt betrifft, dem es entfallen war, eine Klage beim Gericht einzureichen… nun, auf ihn bin ich nicht sauer. Mich nervt nur der Umstand, dass mehrere Wochen unnötig verstrichen sind und ich nun noch länger auf den Gerichtstermin warten muß – wenn überhaupt einer zustande kommt. Erst muß mein Antrag auf Prozesskostenhilfe bewilligt werden.
Mein Anwalt weiß, dass das fehlende Auto für mich eine riesige Einbuße meiner Lebensqualität bedeutet. Deshalb hat er sich von Anfang an in meinen “Fall” voll reingehängt. Nur hat das Regulierungsgespräch mit dem Versicherungsvertreter überhaupt keine Einigung gebracht. Wir haben beschlossen, den Weg der Klage zu gehen.
Wie schon berichtet habe ich nun erfahren, dass mein Anwalt die Klage noch gar nicht eingereicht hat. Ich vermute, dass viele von Euch an meiner Stelle die nackte Wut packen würde. Aber Wut bringt nichts. Mein Anwalt ist auch nur ein Mensch. Er hat mit Sicherheit seinen Bürokräften den Auftrag erteilt, die Klage gegen die Versicherung vorzubereiten. Es war immerhin kurz vor Ostern, in der Karwoche, als das Gespräch mit der Versicherung scheiterte. Wer weiß, wie viel in der Kanzlei so kurz vor Ostern los war. Wer weiß, ob die Bürokraft oder der Anwalt mit ihren Gedacken nicht schon beim Osterfest war. Wer weiß…
Wenn ich mich jetzt über das Versäumnis aufrege, ändert sich an der Situation rückwirkend nichts. Und ich schaue lieber nach Vorn als zurück. Also “verzeihe” ich der Kanzlei und hoffe, dass das Gericht nun recht schnell reagieren wird. Dabei setze ich voraus, dass die Klageschrift dem Gericht inzwischen vorliegt…

Montag, 19. Mai 2008 um 10:25
Es ist sicher in deiner Situation sehr hinderlich, wenn man kein Auto mehr hat. Wieso nutzt du nicht das Pflegegeld, dass du bekommst um eine Einkaufshilfe zu bezahlen? Dafür bekommst du ja diesen (nicht gerade unerheblichen) Betrag. Somit wärst du unabhängig von Freunden und Familie.
Viele Grüße Nicole
Gise sagt: Hallo Nicole,
was ist für Dich ein “nicht unerheblicher” Betrag?
Montag, 19. Mai 2008 um 12:47
hallo gise
hebe dir auf jeden Fall alle Quittungen von Ausgaben gut auf und notiere, wenn dir jemand hilft, der Urlaub hat, auch den Verdienstausfall, nebst Fahrt-und Nebenkosten die dieser Person entstanden sind.
@ Nicole
Pflegegeld ist hauptsächlich für die Grundpflege, also Waschen, Anziehen, mundgerechte Zubereitung der Mahlzeit, Toilettengang und Arztbesuche. Der Stundenlohn bei der Pflege liegt etwas unter 20 Euro für Helfer. Für Pflegefachkräfte liegt er erheblich darüber. Weit kommt man da mit dem Pflegegeld garantiert nicht
Montag, 19. Mai 2008 um 13:12
Wie schon geschreben wurde – hauptsächlich aber eben nicht nur. Auch wenn man damit nicht weit kommt, es ist nun einmal dazu da. Und wenn sie derzeit von einem Teil wenigstens eine Einkaufshilfe bezahlt, ist ihr doch schon geholfen. Aber Gise hat eben auch Anspruch auf eine Haushaltshilfe …. Außerdem steht ihr mehr Pflegegeld zu, wenn sie eine professionelle Hilfe benötigt und das auch gleich so mit der Pflegekasse vereinbart. Ich bekomme selbst Pflegegled. Daher weiß ich da auch ein bisschen wovon ich rede bzw. schreibe.
Gruß Nicole
Gise sagt: Ich dachte immer, bei uns in Deutschland springt die Krankenkasse nur bei der körperlichen Pflege ein, nicht im Haushalt. Ist das nicht von der Pflegestufe abhängig? Ich bin in der Pflegestufe I.
Montag, 19. Mai 2008 um 18:05
@ Nicole
Ich weiß nicht woher du deine Infos hast, oder dein Pflegegeld beziehst. Du kannst hier ja einen Link reinstellen, ich lerne gerne noch dazu.
Ich meinte das Pflegegeld der Pflegekasse der Krankenkassen in Deutschland. Es ist in der Höhe an eine von drei Pflegestufe gebunden, in die man, nach Antragstellung, vom MDK-Gutachter, eingestuft wird.
Link: http://www.sozialgesetzbuch.de/gesetze/11/index.php?norm_ID=1103700
Mein Pflegegeld reicht gerade mal für die Hälfte meiner Ausgaben für Pflegeassistenz, wenn überhaupt. Haushalt, Putzen und Teilhabe am Leben muss ich selbst irgendwie finanzieren. Das ist Fakt. Egal, welchen Anspruch man hat.
Diese Pflegekasse ist nicht für Mehrkosten zuständig, die durch Fremdverschulden (Unfallverursacher), vorübergehend entstanden sind.
Gise sagt: Genau darum geht es, Isa… ich komme allein eigentlich ganz gut zurecht und mein Auto ist für mich nicht einfach nur ein Fortbewegungsmittel, sondern eben vor allem ein Transportmittel. Und wenn mir dieses wichtige Hilfsmittel genommen wird, muß ich mich neu orientieren. Und das möglichst kostengünstig. Also muß der Unfallverursacher dafür aufkommen. Nur, wenn die Versicherung sich keine Gedanken über den Nutzungsausfall macht…
Montag, 19. Mai 2008 um 18:14
hallo Gise
bei PflStufe 1 ist ungefähr 7 Stunden Haushalt und Putzhilfe die Woche inbegriffen.
Wenn du jemand außerhalb der Pflege nimmst musst du die seit 2007 auch noch anmelden und die Arbeitgeberabgabe entrichten.
Gise sagt: Mein Haushalt ist ja vom Unfall nicht betroffen. Gut, das war er, solange mein Knöchel weh tat, aber da waren ja meine Kinder für mich da. Aber gut, dass Du mich erinnerst…
Montag, 19. Mai 2008 um 18:33
Vielleicht einfach mal bei der Pflegekasse anrufen und fragen??? Soll manchmal helfen und auch neue Infos bringen. Ich hab meine Infos vom Pflegedienst, der alle 6 Monate seine Berichte bei der Kasse einreichen muss. Sowas müsstet ihr ja auch haben, denn die Berichte sind ja Pflicht.
Gruß Nicole
Gise sagt: Ich bin, obwohl zu 100% behindert, doch sehr selbständig. Sprich: ich komme fast ohne fremde Hilfe aus. Mein Pflegedienst ist also gerade einmal 5 Minuten da, um zu sehen, dass bei mir alles in Ordnung ist. Er weiß eigentlich gar nicht, wo meine Fähigkeiten sind, wo ich Schwierigkeiten habe und wie mir der Alltag erleichtert werden könnte. Wie auch, wenn wir uns nur gegenüber sitzen und reden.
Und wenn ich gar nicht weiß, welche Hilfsangebote es überhaupt gibt, kann ich auch nicht danach fragen. Siehe Fahrten für Behinderte…
Montag, 19. Mai 2008 um 22:09
hallo gise
wozu sollte sich die Versicherung Gedanken für den Nutzungsausfall machen? Oder um deine Gesundheit? Das musst du machen! Und dann dein Anwalt.
Wenn der, der Gegenpartei keinen Druck machen kann, nur weil du so genügsam bist, kann die sich getrost zurücklehnen und warten was da kommen wird.
Was ist, wenn sich irgendwann Spätschäden bilden und der Knöchel weniger oder gar nicht mehr belastbar wird? Glaub ja nicht, dass der Knöchel, nebst Sehnen und Bänder noch der selbe ist wie vor dem Unfall.
Ohne dein Auto sind deine Gelenke nun erheblich mehr gefordert. Du musst mit deinen Ressourcen haushalten und dich nicht freiwillig überlasten, nur weil es jetzt und heute geht. So sehe ich das zumindest.
Dienstag, 20. Mai 2008 um 06:29
Also Gise, wenn du nicht fragst, werden dir die wenigsten Hilfsangebote bekannt und nutzbar werden. In den seltensten Fällen kommt einer zu dir und sagt “Das steht dir zu.” Manche Sachen stehen einem zu und man muss sie dann trotzdem einfordern. Aber es gibt genug Seiten im Net und auch Nachschlagewerke, die einem da sehr gut weiterhelfen. Tja und dann die gute alte Möglicheit der Frage …. Du kannst einfach nicht erwarten, dass man dir alles hinterher trägt. Das wird keiner tun. Noch mal zum Katzensand: Vielleicht wäre ja auch ein Nachbar so freundlich und dur gibst ihm einfach einen Betrag (siehe Pflegegeld … und 205,00 Euro sind für mich ein nicht unerheblicher Betrag, wenn du eigentlich so ziemlich alles allein kannst … ) für seine Hilfsbereitschaft, wenn schon deine Familie und deine Freunde nicht von allein auf die Idee kommen dir zu helfen.
Bei ihrem letzten Eintrag kann ich Isa nur zustimmen.
Gut, nun hattest du mal wieder viele Kommentare. Wollen wir es dabei belassen.
Gruß Nicole