Unabhängig
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Heute war ich wieder im Gottesdienst. Das Foto der Kirche habe ich vor dem Messebeginn gemacht. Die Glocken haben geläutet. Für die Nachbarn der Kirche mag das Geläute nervig sein, aber ich liebe es. Je lauter, desto besser, denn das Glockenläuten erinnert mich an meine Meditationen in einem bayrischen Kloster vor bald
Da nach dem Gottesdienst die Sonne zwischen den Wolken noch immer genügend Platz hatte, war ich im der Kirche angrenzenden Exotischen Garten ein wenig spazieren. Dort fühlte ich mich plötzlich frei und stark.
An diesem klitzekleinen Bächlein…
…wäre ich gerne länger sitzen geblieben, aber ich fand dort keine Ruhe. Eine ältere Dame sprach mich an. Sie bot mir Hilfe an, während ich auf dem Boden saß und fotografierte, und als ich dankend ablehnte, brachte sie ihre Bewunderung für die meisterhafte Bewältigung meiner Situation zum Ausdruck. Ich hatte heute keinen Bock auf ein solches Gespräch und so bin ich weiter gegangen.
Hier fühlte ich mich unbeobachteter.
Ich saß dort auf der Parkbank und hing meinen Gedanken nach. Mir wurde bewusst, dass für mich in der katholischen Gemeinde kein Platz ist.
Die katholische Kirche predigt auch heute noch von einem Gott, wie ich ihn keineswegs erlebe. Gott ist nicht mein Vater, ich muß keine Angst vor ihm haben oder gar vor seinen Strafen. Gott ist mein Partner und mein Vertrauter. Ich habe die Freiheit, mit ihm zu reden oder zu schweigen. Ich habe alle Freiheiten dieser Erde. Ich habe auch die Freiheit, Gottes Nähe zuzulassen oder meine Kraft und Zuversicht auch ohne sein Zutun in mir zu spüren.
Mein Gott ist kein selbstverliebtes Wesen, das von mir ständig beachtet und angebetet werden will. Mein Gott ist einfach nur da. So wie die Sonne. Auch wenn sie im Moment hinter Wolken versteckt ist, so ist sie doch da…



Sonntag, 13. April 2008 um 23:27
Meiner Meinung nach bist Du damit Gott erheblich näher, als viele Menschen, die täglich oder wöchentlich ihre Absolution abholen und einem Kirchenoberhaupt huldigen, der weltfremd predigt und gottesferne Regeln aufstellt.
Mein Gott ist überall dort, wo ich bin. Kirche ist dort, wo ich sinnieren und Gebete sprechen kann.
Der “Vater im Himmel”, wie es im “Vater unser” heißt, ist m.E. keineswegs die klassische menschliche Vaterfigur. Es gibt ein “Gefühl von Gottes Nähe”. Und so mag dann das Wesen, die Macht, oder auch der allwissende Vater neben Dir auf der Bank sitzen. Nur von Dir gespürt und niemanden sonst.
Montag, 14. April 2008 um 10:19
Glaube bloss nicht, dass es in der evangelischen Kirche anders läuft . Ich habe eigentlich nur bis zum Alter von 15/16 Jahren mich wohl gefühlt, es lag wahrscheinlich am Pfarrer. Danach bin ich immer an merkwürdige Gemeinden und Pfarrer geraten. Ich dachte hier in Kufstein wäre es vielleicht anders. Ich war einmal in der Kirche und dann nie wieder, weil ich mich dort nicht wohl fühle, weder in der Kirche noch in der Gemeinde. Aber der Glaube ist da, ohne Angst, ohne Schrecken ohne einen drohenden Finger, denn den gibts in der ev. Kirche auch. Ich lebe ihn ohne Kirche, es geht auch. Glauben und Beten kann man vielleicht sogar besser außerhalb der Kirche. Denke ich.
Montag, 14. April 2008 um 10:57
Meine Einstellung zu Gott und zur katholischen Kirche deckt sich mit Deiner. Ich spüre Gott überall, wo ich bin, in jedem Stein, in jedem Baum, in jeder Blume, auch in meinen Mitmenschen. Und mein Gott ist immer für mich da, wenn ich ihn brauche. Mit dieser Einstellung geht es mir gut und ich komme damit auch durch schwierige Zeiten.
Montag, 14. April 2008 um 13:21
Hallo Gise
Schön von dieser Deiner Erfahrung und Deinen Gedanken zu lesen…. Wo ich denke ich sehr deiner Meinung bin….Man braucht nicht vorne in der ersten Reihe zu sitzen…..
Leider hat die katholische Kirche sich sehr versündigt in der Geschichte, aber von einem solltest du ausgehen, dass es sich um Menschen handelt, die diese Sünden begangen haben und die Kirchengesetze befolge ich schonmal garnicht….
Ich gehe ab und an in eine leere Kirche oder Kapelle, und setz mich am Marienaltar und sinniere vor mir hin…..Auch denke ich, dass ich von Kind an unglaubliche “Schutzengel” hatte, die mir auch an Untergangspunkten behütet haben….
Mit meiner Mutter, die natürlich eine ganz andere Meinung hat, geh ich auch ab und an in eine Messe, letztens am Palmsonntag, der überraschend aussergewöhnlich super war.
Jugendliche haben “Jesus Christ Superstar” umgetextet auf das Thema von Palmsonntag und gesungen und musiziert in Zusammenarbeit mit dem Pfarrer und dazu wurden die Bilder via Beamer an die Wand projiziert. Die Orte, wie Ölberg, der Kreuzweg usw. Aufnahmen von heute, die Personen, wie Judas verrät Jesus, von Kindern gezeichnet…
Die Messe dauerte 2 Stunden und sogar meine Mutter war begeistert…..
Es waren wenige aus der Pfarre dort, viele aus den Nachbarpfarren und eben die Angehörigen der Kinder des Projektes….. Der Pfarrer gilt als modern und mich wunderts, dass er noch “im Amt” ist.
Später, weil ich so begeistert war, sprach ich auch mit Leuten aus dem Dorf, die entsetzt waren und die meinten, dass es zu laut war und nicht in eine Kirche gepasst hätte….;o(
Also, mir kam es überhaupt nicht zu laut vor, und ich bin schon recht “lautempfindlich” ….;o)
Liebe Gise, du wirst auch fühlen, in deiner Mitte, was dir guttut, und das wird seine Richtigkeit haben…. wo wie ich es auch erfuhr….
lg Deine Brigida
Gise sagt: In meiner Jugendzeit gab es in Schwäbisch Gmünd einen Pfarrer, der hat es immer geschafft, das Münster! gerammelt voll zu bekommen. Die Leute kamen aus den umliegenden Gemeinden in Scharen zu seinen Gottesdiensten. Der Pfarrer, ich weiß nicht mehr genau, er kam aus irgendeinem lateinamerikanischen Staat, hatte etwas an sich, die Leute zu begeistern, zu beeindrucken, zu verzaubern. So wie ihn habe ich mir dann immer Jesus vorgestellt.1. Reihen noch Plätze bekamen.
Seine Gottesdienste wurden selten von der Orgel begleitet, meistens spielte eine Jugendband. Und das gewöhnliche Gesangsbuch konnte man getrost zu Hause lassen, weil wir ständig neue Lieder gelernt haben.
Und seine Predigten waren begleitet von Dias oder es gab kleine Theaterstücke oder auch Dialoge/Diskussionen zwischen dem Pfarrer und der Gemeinde. Wir waren immer schon sehr früh im Münster, damit wir in den
Diesen Pater Gonzales vermisse ich sehr!
Dienstag, 15. April 2008 um 08:17
Ihr Lieben, danke für Eure Meinungen, die ja der meinigen gar nicht so weit entfernt sind.
Was ich vermisse ist der Glaube in einer Gemeinschaft. Ich fühle mich nirgends so einsam wie in der Kirche. Klar, man grüßt einander und auch der Friedensgruß fällt meistens herzlich aus, aber ansonsten ist während des Gottesdienstes kein Miteinander. Und hinterher eilt jeder schnell nach Hause.
So wie ich es weiter oben der Brigida beschrieben habe, so vermisse ich es. Eine Gemeinschaft, Gespräche, lebendiger und vor allem gemeinsamer Glaube.
Dienstag, 15. April 2008 um 20:12
Hi Gise,
ich glaube Du suchst zwei unterschiedliche Dinge: Gott und Gemeinschaft. das kann übereinstimmen, muß aber nicht. In einen Gottesdienst zu gehen, diesen zu “konsumieren” und dann mit einem erleichterten Gewissen nach Hause zu gehen ist ein Ding. Viel schwerer ist es sich auf andere einzulassen, zu reden, zu diskutieren, Gedanken zu entwickeln. Obwohl wir überall zu getextet werden herrscht eine erschreckende Sprachlosigkeit in dieser Gesellschaft.
Gise sagt: Ich finde es anders herum anstrengender. Ich mag nicht hingehen, konsumieren, wieder heim gehen.
Gerade die Sprachlosigkeit macht mich fertig.
Mittwoch, 16. April 2008 um 10:15
“Mein Gott ist einfach nur da. So wie die Sonne. Auch wenn sie im Moment hinter Wolken versteckt ist, so ist sie doch da…”
*lächel* genau so ist es….
Gise, ich lass dir einen Gruß hier, und ich les weiter bei dir, wenn ich auch kaum kommentiere….ich brauch keine feeds oder Linkliste; du stehst einfach in meinen Favoriten.
Ich werd dir mal meine neue Festnetznummer rübermailen; ich hab ja den Anbieter gewechselt und hab keine Ahnung, ob du sie schon hast….
Gise freut sich: Hey Witha, schön Dich wieder einmal zu lesen!
Wo bleibt Deine eMail???