Hörgeräte
In einer eMail bin ich gefragt worden, warum ich plötzlich keine Hörgeräte mehr brauche.
Stimmt, ich habe ja auch Leser, die mein Blog erst kürzlich entdeckt haben.
Nun, ich war von Geburt an schwerhörig, was vermutlich ebenfalls von dem Schlafmittel Contergan verursacht worden war. Nur haben meine Eltern eine Schwerhörigkeit bei einem Kind niemals wahrhaben wollen, das sei ein Leiden der alten Leute, war ihre Meinung. Meine Mutter, eine weniger mit Geduld gesegnete Person, hat mich oft angebrüllt, ich sei verschlafen, ich solle besser aufpassen. Den Leuten hat sie erzählt, ich sei halt eine verträumte Transuse. Am schlimmsten fand ich es, wenn meine Mutter mir Bockigkeit unterstellt hatte und um mir diese auszutreiben, mich verprügelte.
Auch bei den alljährlichen ärztlichen Untersuchungen in der Schule hat meine Mutter den Lehrern erklärt, dass ich auf jeden Fall hören könne, aber eben nur nicht wolle, weil ich bockig sei. Diejenigen von Euch, die in etwa in meinem Alter oder älter sind, erinnern sich vielleicht daran, dass ein Mal im Jahr ein Arzt/eine Ärztin vom Gesundheitsamt in die Schulen kam, um alle Kinder zu untersuchen. Dabei wurden auch Seh- und Hörtests gemacht. So kam ich gleich nach meiner Einschulung zu meiner ersten Brille. Merkwürdig, dass ich beim Sehtest schön brav mitgemacht habe, aber beim Hörtest soll ich plötzlich gezickt haben?
Ich weiß noch, wie ich im Klassenzimmer hinten mit dem Gesicht zur Wand stand, während meine Lehrerin und die Amtsärztin an der Tafel standen. Minuten, oder Stunden?, verstrichen, in denen sich nichts tat und in denen ich nichts hörte außer dem Rauschen in meinem Kopf. Dabei sollte ich wiederholen, was die Ärztin sagte. Endlich hörte ich ein Wort. Laut und deutlich hat sie es gesagt.
Ich nehme an, dass man meinen Eltern vom Verdacht auf Schwerhörigkeit berichtet hat. Ich weiß nur, dass danach meine Mutter jedem etwas von “Hörgeräte sind doch für alte Leute gemacht, nicht für Kinder” erzählte. Das hätte unser Ohrenarzt, ein alter Mann, ihr gesagt. Der hat mir von Zeit zu Zeit meine Ohren durchgepustet (Blasebalg in ein Nasenloch gesteckt, anderes Nasenloch zugedrückt, und gleichzeitig, wenn ich “Kuckuck” sagte, Luft in das eine Nasenloch gepustet. Dann das Gleiche am anderen Nasenloch) und ich hörte wieder etwas besser.
Als ich etwa zehn Jahre alt war, wurde ich einem Hörtest in einer Gehörlosenschule unterzogen, der belegte, dass ich hochgradig schwerhörig war. Daraufhin hat man mich in einer Klinik in Stuttgart (damals wohnte ich im Ostalbkreis) an meinem rechten Ohr operiert. Mir wurde ein neues Trommelfell eingesetzt und der Gehörgang erweitert. Mein Trommelfell war von den vielen Mittelohrvereiterungen geschädigt und vernarbt und meine Gehörgänge sind wesentlich enger als normal üblich. Da ich aber rechts nach wie vor schwerhörig war, verzichtete man auf die Operation des linken Ohres. Stattdessen bekam ich mit dreizehn Jahren meine erste Hörbrille.
Damit waren die Schwierigkeiten meiner Schwerhörigkeit noch lange nicht beseitigt. Niemand hat meiner Mutter erklärt, dass das Hören mit Hörgeräten niemals einem gesunden Hören gleichkommt. Mit Hörgeräten ist das selektive Hören nicht möglich. In einer Gaststätte war das Tellergeklapper der Bedienung drei Tische weiter einfach lauter als das, was die Person direkt vor mir sagte. Meine Mutter konnte nicht begreifen, dass ich trotz Hörgeräte nichts verstand und schrie mich wieder an. Jetzt war ich für sie sogar geistig behindert.
Auf den Audiogrammen konnte man gut sehen, dass meine Hörnerven mehr als intakt waren, während es um die Schallleitung sehr schlecht stand, weshalb ich in meine Brille Knochenleitungsgeräte integriert bekam.
Schon als Studentin bekam ich von meinem Ohrenarzt die Empfehlung, mich an den Ohren operieren zu lassen, aber nachdem die OP damals als Kind in die Hose ging, wollte ich mich nicht schon wieder dem Risiko einer mißglückten Operation aussetzen.
Erst als mein Hörgeräte-Akustiker mir von der Möglichkeit eines Mittelohr-Implantats mit sehr großen Erfolgsaussichten erzählte, habe ich Kontakt mit der HNO-Station des Marienhospitals in Stuttgart aufgenommen. Das war vor ziemlich genau zwei Jahren. Nach etlichen Untersuchungen und Hörtests kam man überein, dass etwas mit meinen Gehörknöchelchen nicht stimmte, man vermutete eine Otosklerose (Verhärtung des Steigbügels), die man operativ beheben kann.
Im Sommer 2006 lag ich dann auf dem OP-Tisch. Die Ärzte haben mein rechtes Ohr aufgemacht und gesehen, dass meine Gehörknöchelchen total verkrüppelt waren, was den Verdacht auf Contergan als Verursacher nur verstärkte. Der Hammer war nicht vorhanden und der Amboss war so mißgebildet, dass er auf den Steigbügel drückte und so dessen für die Schallweiterleitung notwendiges Schwingen verhinderte. Während der Operation wurden die Gehörknöchelchen-Überreste komplett entfernt und durch ein Titanstäbchen ersetzt.
Der Operationserfolg war unglaublich! Alles um mich herum war furchtbar laut. Selbst meine Stimme kam mir laut vor, so dass ich nur noch im Flüsterton geredet habe. Ich musste meine Mitmenschen ständig bitten, etwas leiser zu reden, während diese mich kaum gehört haben. Nachts habe ich die meiste Zeit auf dem operierten Ohr liegend geschlafen, weil mich sonst Geräusche geweckt haben, die ich vorher nie wahrgenommen hatte.
Ein halbes Jahr später wurde auch mein linkes Ohr operiert. Ebenfalls erfolgreich. Seitdem brauche ich keine Hörgeräte mehr. *jubel*
Ich habe dies nun ausführlich beschrieben. Zum Einen für Eltern, damit sie eine mögliche Schwerhörigkeit ihres Kindes überhaupt einmal in Erwägung ziehen, zum Anderen, um zu zeigen, dass jemand mit Hörgeräten dennoch schwerhörig ist und zum Dritten, um denen unter Euch, die nicht (mehr) so gut hören, Mut zu machen, sich in einer Fachklinik untersuchen und beraten zu lassen.

Sonntag, 13. April 2008 um 09:19
Hallo Gise,
seit einiger Zeit bin ich ein stiller Mitleser deiner Blogs. Durch Seelenfarben bin ich auf deinen Adventskalender gestoßen und seit dieser Zeit nehme ich ein wenig an deinem Leben teil.
Was du heute über dein Hörgerät und deine Mutter geschrieben hast, hat mich sehr berührt und es freut mich sehr, dass du nun hören kannst.
Ist es nicht schrecklich, wie man früher mit den Kindern umgegangen ist? Ich bin ungefähr in deinem Alter und bin auch ein Opfer dieser Erziehungsmethoden – ich habe mich selten ernst genommen gefühlt.
Ich bewundere dich, wie du es geschafft hast, zu so einer selbstbewussten Frau zu werden.
Eine Frage habe ich noch (ich hoffe, sie ist nicht zu indiskret): Wie stehst du heute zu deiner Mutter?
Ich wünsche dir einen schönen Sonntag,
Bärbel
Gise sagt: Liebe Bärbel,
ich habe Sozialpädagogik studiert und da ging es auch um Kindesmißhandlung. Was glaubst Du, wie es in mir aussah, als mir bewusst wurde, dass meine Mutter mich hätte auch liebevoller, bejahender und geduldiger fördern können. Nun, sie wusste es nicht besser, vielleicht war sie genauso “streng” erzogen worden.
Ihre Mißachtung meiner Persönlichkeit und ihr sich ständig in mein Leben einmischen haben aber mit meiner Volljährigkeit nicht aufgehört. Plötzlich soll ich meinem Mann hörig gewesen sein, der mir den Umgang mit meiner Mutter verboten hätte. Ein andermal war es angeblich mein Vater, der mich gegen sie gebracht hätte.
Langer Rede, kurzer Sinn… ich habe vor etwa 10-12 Jahren den Kontakt zu meiner Mutter komplett abgebrochen. Ich hätte sie gerne um eine Aussprache und Klärung gebeten, aber als ich von mehreren Seiten hörte, dass meine Mutter der Meinung sei, mein (inzwischen Ex)Mann hätte mir jeden Kontakt mit ihr rigoros verboten, habe ich auch innerlich mit ihr gebrochen. Es bringt nichts, ich werde mit sehr großer Wahrscheinlichkeit von ihr niemals ein “Es tut mir leid” hören.
Sonntag, 13. April 2008 um 11:01
Früher gab es die Mütterberatungsstellen, es gingen aber leider zu wenige Mütter da hin.
In der Schule wurden Zähne untersucht, Ohren und Nagelpflege sowie Laus- und Krätzeuntersuchungen vorgenommen. Wie auf dem Viehmarkt standen wir in einer Reihe zur Beschau.
Es gab da auch die Polio-Schluckimpfung und die Pockenimpfung. Bei der Pockenimpfung stand auf dem Pult eine brennende Kerze, Der Impf-Mann hatte ein Messerchen und hielt es in die Flamme, dann wurde zweimal in den Oberarm gestochen. Mache Kinder erlitten beim Anblick Panikattacken, andere erstarrten zu Salzsäulen bevor sie an der Reihe waren. Wer im Vorfeld heulte bekam eine Ohrfeige wer bei der Behandlung heulte wurde ausgelacht.
Heute werden Eltern und Kinder aufgeklärt und können Fragen stellen. Auch sind Kinder durch die U1-10 Untersuchungen von Geburt an, vor Schicksalen wie deine Schwerhörigkeit geschützt.
Nur eben nicht vor Psychoterror. Das erkennt man leider erst, wenn ein Kind bereits Schäden davongetragen hat.
Gise sagt: Das Dramatische ist ja, dass Kinder sich immer schuldig fühlen. Deshalb können sie gar nicht Hilfe von außen holen. Genauso dramatisch ist, dass mißhandelnde Eltern(teile) durchaus wissen, was sie tun und ihre Taten nach außen hin vertuschen.
Mein eigener Vater wusste nichts von den Mißhandlungen meiner Mutter mir gegenüber. Wenn er zu Hause war, war meine Mutter liebevoll und schimpfte meinen Vater aus, wenn er uns gegenüber nur einen etwas strengeren Ton anschlug. Er hat es von mir erst Ende letzten Jahres erfahren – und war furchtbar bestürzt darüber.
Sonntag, 13. April 2008 um 13:05
Oh ja, an die Untersuchungen und das Antreten in Reihe dazu, kann ich mich noch gut erinnern. Nur an die Pockenimpfung nicht, ich war der erste Jahrgang der drumrum kam. Aber an Szenen, in denen mich meine Eltern ihre Geringschätzigkeit haben spüren lassen in dem sie mich völlig runtergemacht haben (…taugt nichts… Versager….) kann ich mich sehr gut erinnern. Die Konsequenz: ich bin so rasch als möglich ab und habe den Kontakt auf das Nötigste beschränkt.
Gernot
Gise sagt: Leider kann ich nur extrem reagieren. Entweder schwarz oder weiß, ganz oder garnicht. Sobald meine Mutter etwas sagt, erst recht zu mir oder über mich, dann kann ich nicht drüberstehen – es regt mich auf. Und solange das so ist, meide ich jeden Kontakt mit ihr.
Wenn mir jemand kommt mit “aber sie ist doch deine Mutter, du bist ihr einiges schuldig”, dann antworte ich:
Sie hat mich geboren und irgendwie groß gezogen. Ihre Aufgabe war es, mich lebenstauglich zu machen. Wie bei den Tieren hat für sie ihre Aufgabe als Mutter mit meiner Volljährigkeit geendet. Das Leben geht vorwärts, nicht rückwärts und Menscheneltern sollen froh und dankbar sein, dass sich ihre Kinder nicht wie bei den Tieren von ihren Eltern abwenden, um ausschließlich ihr eigenes Leben zu führen. Wenn jemand mir und meiner Psyche nicht gut tut, muß ich mich dieser Person fern halten. Da spielt es für mich keine Rolle, ob es sich um meine Mutter oder irgend einen anderen Menschen handelt.
Montag, 14. April 2008 um 19:12
“kuckuck”? – das könnte fast schon lustig sein, wenn es nicht so traurig wäre…
ist dieses “es-ist-alles-so-laut”-Gefühl nach der ersten erfolgreichen OP eigentlich im Laufe der Zeit verschwunden oder stört dich das immer noch? Oder hing das eher damit zusammen dass du nur auf dem ersten operierten Ohr so gut gehört hast?
Furchtbar neugierig seiend grüßt & wünscht dir einen schönen Abend: Armin
Gise sagt: Armin, glaub mir, dieser Kuckuck war gar nicht lustig. Es ist ein saublödes Gefühl, wenn Dir plötzlich Luft in die Nase gepustet wird, während Du etwas sagst.
Anfangs, nach der 1. OP habe ich mein Radio im Auto extrem leise gestellt, aber nach 3-4 Monaten konnte ich es auch wieder lauter ertragen. Deshalb operiert man ja nicht gleich beide Ohren. Beziehungsweise beide Ohren werden grundsätzlich nicht gleichzeitig operiert, denn es besteht die Gefahr, dass die OP mißglückt und statt zum besseren Hören zur Ertaubung führt.
Man hätte also die 2. OP auch schon nach wenigen Wochen machen können, aber man ist echt überfordert, wenn man von 10 plötzlich auf 90 hört.
Das krasse plötzlich-gut-Hören gab es nach der 2. OP aber nicht, weshalb ich ja bis zum Hörtest echt dachte, dass es diesmal schief gegangen sei. Zum Glück hat aber der Hörtest gezeigt, dass alles bestens ist, ich also mit dem 2. Ohr genauso gut höre wie mit dem 1. Ohr.
Mach mal folgendes: Halte Dir am Bahnhof eine Weile ein Ohr zu. Wenn Du nach 1-3 Minuten Dein Ohr wieder frei gibst, merkst Du einen Unterschied, aber er ist auszuhalten. So ging es mir nach der 2. OP – das räumliche Hören klappte viel besser.
Nur, einen Nachteil gab es: Nachts machte es keinen Unterschied mehr, auf welchem Ohr ich lag… Geräusche haben mich geweckt. Inzwischen habe ich mich an sie gewöhnt und kann wunderbar schlafen.
Dienstag, 15. April 2008 um 00:01
Hallo Gise,
das kommt mir zum Teil so bekannt vor. Habe ich doch als Kind auch immer wieder zu verstehen gegeben das ich nicht gut höre, aber geglaubt hat man mir nicht. Vielleicht auch nur aus Bequemlichkeit, ich bin Nr.6 und da ist den Eltern manchmal schon etwas zuviel. Aber egal. Wenn meine Mutter mich rief und ich dann fragte wo sie sei antwortete sie immer wieder gerne “Hier”, aber wo war das hier.? Ich konnte das Geräusch nicht orten, oft lief ich ins Obergeschoss wenn sie im Keller war und umgekehrt. Erst mit 12 Jahren gingen wir, besser ICH allein, zum Ohrenarzt. Der stelle fest das ich auf dem linken Ohr komplett taub bin. Ein verkrüppeltes Trommelfell..nix zu machen damals. Aber er machte mir Hoffnung auf die Zukunft. Doch letztes Jahr in der Uniklinik wurde mir dann mitgeteilt das für diese Art der Behinderung noch nix erfunden wurde. Nix zu machen. So sitze ich bei Familienfesten immer gut positioniert damit ich möglichst Viele hören kann. Eine Kneipe wird bei mir nach einiger Zeit zum Stillen Raum da die Geräusche sich so überlagern das ich irgendwann nix aber wirklich NIX mehr höre. Die Münder gehen auf und zu und ich komme mir vor wie ein Außerirdischer. Ich hab mich dran gewöhnt und meide solche Räume, hoffe möglichst früh bei einer Feier, Meeting da zu sein (nicht zu früh) um den besten Platz für mein Problem zu finden. Meine Familie geht immer schön rechts von mir und gibt auf die Frage “Wo bist du ?” eine Ortsangabe an….
Aber schön das es bei dir geklappt hat..Ich freu mich für dich!
Gute Nacht
Bonafilia
Gise sagt: Guten Morgen Bonafilia,
ja, das Problem mit dem Geräusche orten kenne ich auch. Selbst in meiner kleinen Wohnung habe ich Schwierigkeiten herauszufinden, wo genau “Hier!” ist. Ich renn ins Bad, während meine Tochter in ihrem Zimmer ist. Oder im Wohnzimmer. Oder doch in der Küche? Ich bekomme es aber auch überhaupt nicht an mein Kind (inzwischen 20 Jahre alt) ran, mir eine konkrete Ortsangabe zu machen. Also das Orten der Geräusche klappt jetzt um einiges besser. Ich glaube, auch normal Hörende brauchen ein paar Sekunden, bis sie wissen, woher ein Geräusch kommt. Da ist ein “Hier!” wohl grundsätzlich zu kurz, um geortet zu werden.
Trotz Hörgeräte habe ich links besser gehört als rechts. Also habe ich immer geschaut, dass mein Gesprächspartner links von mir saß, stand oder ging. Inzwischen macht es keinen Unterschied, aber Du weißt ja… die Macht der Gewohnheit.
Googel mal, es gibt viele Seiten im Web, die einem die Probleme des Schwerhörigen und das richtige Verhalten ihm gegenüber aufzeigen. Ich habe Dir einmal eine Site herausgesucht, die mitten aus dem Leben einer einseitig Gehörlosen erzählt.
Nur, einen Tipp habe ich noch nirgends gefunden. Wenn ich aus einem Satz ein wesentliches Wort trotz mehrmaligem Wiederholens nicht verstanden habe, habe ich meinen Gesprächspartner gegebeten, ein anderes Wort dafür zu nennen. Dann ist der Groschen bei mir gefallen. Ich denke, dadurch haben meine Kinder gelernt, sich differenzierter auszudrücken – ihr Wortschatz ist zwangsläufig größer geworden.
Mittwoch, 16. April 2008 um 21:49
Liebe Gise, nun war ich ein paar Tage nicht hier und heute stelle ich fest, dass du das super toll erklärt hast, was mit deinen Ohren los ist. Danke.
Ich freue mich für dich, dass du jetzt gut hören kannst.
Früher waren – glaube ich – viele Eltern so streng und haben ihre Kinder nicht als vollwertige Persönlichkeit angenommen. Kein Wunder, dass so viele Leute zu wenig Selbstwertgefühl haben. Ich höre das so oft in Erzählungen und selbst ging es mir nicht besser. Auch an diese verhaßten Schuluntersuchungen kann ich mich noch gut erinnern. Ich war sehr frühreif und hatte als einziges Mädchen mit 10 Jahren schon einen schönen Busenansatz. Mit nacktem Oberkörper mussten wir im Klassenzimmer warten bis wir an der Reihe waren zur Untersuchung. Ich weiß noch heute wie ich mich geschämt habe.
A liabs Griaßle von Erika
Gise sagt: Ohje, so etwas vergisst man ein Leben lang nicht mehr, gell?
Ich meine mich dunkel daran erinnern zu können, dass ich niemals mit nacktem Oberkörper vor den anderen Schülern sein musste. Ich glaube, mich hat man immer als Erste und unter Ausschluss der Öffentlichkeit untersucht. Sicher bin ich mir jetzt aber nicht. Da müsste ich mal in der Klasse herumfragen, aber leider habe ich keinen Kontakt mehr zu den Grundschülern von damals.
Freitag, 18. April 2008 um 02:01
Liebe Gise,
ich freu mich so für dich,daß deine OP`s gut verlaufen sind.
Bei mir ist nichts zu machen,Innenohrschwerhörigkeit.
Deine Kindheitserfahrungen kann ich teilen.”Phlegmatisch,will nicht hören,hört nur,was sie hören will,usw.”In der Schule habe ich mir wohl intuitiv immer einen Platz in den vorderen Plätzen gesucht um den Lehrer zu verstehen und wenn Klassenkameraden sprachen,schaute ich sie an(falls ich schnell genug orten konnte)Im Laufe der Zeit lernte ich von den Lippen zu lesen.
Während meiner Krankenpflegeausbildung im OP-Einsatz kam ich mir verloren vor,alle hatten Mundtücher um,ich konnte nicht mehr von den Lippen ablesen,wurde oft angebrüllt und als unaufmerksam beschimpft.Die OP-Leitung schickte mich zum HNO-Arzt,weil sie den Schwerhörigkeitsverdacht hatte.Zu damaliger Zeit bekam ich nur den Rat,vermehrt durch die Nase zu atmen,dann könne ich auch besser hören.Hörtest wurde nicht gemacht.
Später im Alter von 30 Jahren bestand ich auf einer Hörgeräteverordnung.Das erste Hörgerät war deprimierend,es war alles nur laut.Es gab Geräusche,die ich nicht kannte.Ich brauchte lange,um mich daran zu gewöhnen.Heute trage ich beidseits Hörgeräte und bin froh,daß es sie gibt.
Meine jüngere Schwester ist höhergradig hörbehindert.
Ich bin für die Kinder der heutigen Zeit dankbar daß es die Früherkennungsuntersuchungen gibt.So kann man die Seele vor zusätzlichem Schaden bewahren.
Gise sagt: Ja, Hörgeräte helfen auf jeden Fall, aber sie haben trotzdem noch ihre Tücken. Da muß man sich einfach für das kleinere Übel entscheiden.
Die Vorsorgeuntersuchungen fangen viel auf… manchmal zu viel. Was sich früher oftmals von allein verwachsen hat, wird heutzutage zu schnell therapiert.