Kabisa Gise – Blog

ganz und gar Gise

2008
Freitag
18
Apr

Scheuklappe? (2)

Veröffentlicht von: Gise
um 12:42 Uhr
 

Ich danke Euch für Eure Meinungen und ich bin froh, dass ich nicht die Einzige bin, die negative Dinge und Katastrophen in der Welt nicht so nah an sich rankommen lassen möchte.

Der Grund für meinen Scheuklappen-Eintrag von heute Morgen ist aber ein anderer. Es geht nicht um irgendwelche Weltgeschehen, sondern um eine Gruppe von Menschen, die alle etwas Gemeinsames verbindet. In so einer Gruppe findet ein immenser Erfahrungs- und Wissensaustausch statt, wobei der eine mehr Erfahrung mitbringt, ein zweiter sich durch Recherchieren viel Wissen über das gemeinsame Thema aneignet und wieder andere von den Erfahrungen und dem Wissen der anderen profitiert.

Natürlich erwartet jeder von jedem, dass er seine Erfahrungen und sein Wissen in die Gruppe einbringt. Aber wer darf mir vorschreiben, wie sehr ich mich in diese Gruppe einbringe?

Hmmm… für mich wird es jetzt schwierig zu beschreiben, worum es geht, ohne dabei konkret zu werden. Ich nehme einmal ein Beispiel, das mit mir überhaupt nichts zu tun hat.

Nehmen wir einmal an, ich würde einen Knoten in meiner Brust spüren. Der erste Gedanke ist natürlich: Brustkrebs. Selbstverständlich würde ich diesen Knoten medizinisch abklären lassen. Außerdem würde ich im Internet alle möglichen Infos zum Thema Brustkrebs in mich reinziehen. Angefangen mit der Krebsart selbst über Therapiemöglichkeiten, Heilungschancen, Lebensqualität nach der OP, und so weiter… Das Meiste von dem Gelesenen würde ich mir natürlich nicht merken können, denn noch ist es erst einmal nur ein Knoten.

Ich wüsste nun, was alles auf mich zukommen könnte, von gutartig bis bösartig mit allen Widrigkeiten und Tiefs. Und der Tod würde nach mir greifen.

Zusätzlich würde ich mich nach einer Selbsthilfegruppe für betroffene Frauen umschauen. Seelischen Beistand, Rat und Empfehlungen würde ich sicherlich gut gebrauchen können.

Ich war noch nie in einer solchen Gruppe. Ich denke einmal, dass die meisten Frauen – bleiben wir beim Brustkrebs – frisch dabei sind, einige sind schon etwas länger in der Gruppe. Und alle schauen auf die eine Frau, die diese Gruppe gegründet hat. Sie weiß am allermeisten Bescheid über diese Krankheit: medizinisch, juristisch, menschlich und sie kennt sich aus mit allen Stadien, von der Diagnoseerstellung bis zur Heilung – oder Tod. Diese Frau fängt auf, tröstet, gibt Tipps und Wissen weiter, recherchiert und engagiert sich sehr. Dann bittet sie uns Frauen, uns gegenseitig zu helfen und zu beraten. Ich sage, dass mein Knoten sich zum Glück als gutartig herausgestellt hätte, es mir also gut gehe. Manche Frauenschicksale in der Gruppe würden mir aber sehr an die Nieren gehen, was meinem Wohlbefinden nicht gut täte. Deshalb würde ich mich aus der Gruppe ein wenig zurückziehen wollen. Eine der Frauen, die die Gruppengründerin tatkräftig unterstützt, meint daraufhin, dass das nicht gelten würde. Jeder in der Gruppe müsse sich für andere engagieren. Jeder in der Gruppe müsse alles über Brustkrebs lernen, möge das Erlernte noch so widrig und niederschmetternd sein, denn es könnte ja sein, dass mich der Brustkrebs doch noch mit voller Wucht erwischen würde und dann würde ich Beistand und vollen Einsatz in der Gruppe erwarten.

Hmmmm… warum gibt es immer wieder Menschen, die ihre eigenen Leistungen und Einsatz von allen anderen Gruppenmitgliedern im gleichen Umfang erwarten wie sie selbst in die Gruppe einbringen? Jeder, der in einem Verein Mitglied ist, weiß, wovon ich rede…

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, 18. April 2008 um 12:42 Uhr und wurde abgelegt unter "Ich". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

11 Kommentare

  1. Melanie:

    Naja, das ist ja kein “Kopf in den Sand stecken”, sondern ein Schutz vor (für Dich) gefährlichen Dingen. Natürlich kann man in einer Geben-und-Nehmen-Gruppe dann von “Schmarotzer” sprechen, aber es schliesslich jedem sein pers. Ding und freiwillig.

    Ich pers. stehe Selbsthilfegruppen (für mich) kritisch gegenüber, weil ich denke jeder dort sucht hilfe und möchte sprechen. Das geht aber bei vielen Leuten nicht. Vielleicht kann man von der Erfahrung der “Älteren” lernen, vielleicht sind Betroffene aber auch “zu nah” dran. Zumindest habe ich das so in meinem Bekanntenkreis erlebt, indem mehrere das gleiche “Problem” haben.

    Gise sagt: Melanie, wo fängt die Grenze des Schmarotzertums an? Jeder in einer Gruppe – sei es ein Kurs oder ein Verein oder sonst eine Ansammlung von Menschen – hat eine gewisse Erwartung, gewisse Ansprüche an die Gruppe und jeder möchte von der Gruppe profitieren. Und jeder hat eine andere Toleranz- und Schmerzgrenze, jeder hat seine Hemmschwellen, sein starkes, mittelmäßiges oder schwaches Selbstwertgefühl und jeder hat sein eigenes Maß an Einsatzbereitschaft für sich und andere. So wie ich niemandem zuviel Engagement vorwerfe, so erwarte ich, dass man meine Art, mit Dingen umzugehen, respektiert.

    Es ist ja nicht so, dass – um bei meiner fiktiven Selbsthilfegruppe zu bleiben – ich mich ganz aus der Gruppe herausnehmen würde. Ich würde nicht mehr zu den Gruppengesprächen gehen wollen, um den vielen traurigen Erzählungen und Tränen aus dem Weg zu gehen, aber ich wäre die Letzte, die eine Bitte einer “Leidensgenossin”, sich bei mir aussprechen zu dürfen, abschlagen würde…

    Ich selbst habe keine Erfahrung mit Selbsthilfegruppen und ich kenne auch niemanden, der einer solchen Gruppe angehört.
    Ich denke, es kommt darauf an, ob jemand Schwierigkeiten hat, sich anderen zu öffnen und sich auf andere einzulassen oder nicht.

  2. Gaby:

    Riesengroßes Fragezeichen! Wenn Du die Gruppe nicht brauchst, weil Du ja ein gutartigen Knoten* hast oder Du Dich schlechter fühlst, weil Dich die anderen Schicksale runterziehen, dann bleib einfach von der Gruppe fern. Ansonsten mein ich auch daß eine Selbsthilfegruppe vom Erfahrungsaustausch lebt und nicht vom -sammeln. Das kannst Du im Internet ganz allein für Dich.
    In einem Verein ist es was anderes. Da geht es darum wer am Fest hilft und nicht einer Person.

    *Ich habe Dein Fallbeispiel aufgegriffen.

    Gise sagt: Ich hätte gerne den Rückhalt der Gruppe im Hintergrund, denn es könnte ja sein, dass ein anderer Knoten auftaucht oder der Krebs doch noch ausbrechen könnte…

    Sei’s drum, mir geht es generell darum, dass man sich gegenseitig respektieren muß – mit all dem Egoismus oder der Gleichgültigkeit, was den einen oder anderen Menschen ausmacht. Jeder hat für sein Tun und Lassen seine Gründe und ich finde, keiner muß sich anderen gegenüber rechtfertigen.

  3. isa:

    hi Gise!

    Vereine und Selbsthilfegruppen sind 2paar Stiefel. Sie unterscheiden sich grundsätzlich in der Wahrnehmung und Verteilung von Aufgaben. SHGs sind auch höchstens 10 Personen.

    Wenn es dir hier um SH-Gruppen geht, da hat jede eine Struktur und ihre Regeln.
    Gerade bei Trauma-Gruppen, die sich nicht ausreichend informieren, passieren Retraumatisierungen von TeilnehmerInnen. Auch Gruppen, die abnehmen wollen, schaden sich oft mehr als sie nutzen.

    Sicherer ist es, wenn man an angeleiteten Selbsthilfegruppen teilnimmt, in denen reihum jede Person einmal die Leitung der Sitzung inne hat und wo gemeinsam Selbsthilfe-Regeln aufgestellt, angenommen und beachtet werden. Danach übernehmen alle gemeinsam die SHG.

    Die Fachkraft zum Anleiten muss zwar gesucht und bezahlt werden, aber das lohnt sich immer.

    Gise sagt: Mir ist der immense Unterschied zwischen Vereinsleben und Selbsthilfegruppen bewusst.
    Mir geht es ja auch nicht um Aufarbeitung von einem Trauma – es findet einfach ein Erfahrungs- und Wissensaustausch zu einer bestimmten Problematik statt. Eine Problematik, die für den einen gravierend, für einen anderen eher weniger problematisch ist.

    Entschuldige bitte – verzeiht mir alle bitte, dass ich mich nicht näher dazu äußern möchte, denn es geht nicht um die Problematik und es geht auch nicht um “die Anderen”, sondern um mich und meine Art, wie ich mit Problemen umgehen.

    Mir ist schon lange bewusst, dass ich es getreu nach der Bibel halte, als Jesus meinte, wir sollen uns nicht um das Morgen kümmern. Ich gehe und packe Probleme erst dann an, wenn es soweit ist und niemals schon rein prophylaktisch.

  4. Brigida:

    Liebe Gise
    Ja das ist ein höchst schwieriges Thema….
    denn ansich habe ich für mich erkannt, dass ich persönlich eher ein Individuum und kein Gruppenmensch in dem Sinne bin….. Aus Erfahrung weiss ich, dass ich mit manchen Mitmenschen Probs habe und wie ich merken konnte u.a. während einer 2 monatigen Treckingtour durch Neuseeland auch andere mit mir wohl Probs hatten…. Dort wusste ich aber, woran es lag, wogegen so manches in meinem Leben ich nicht so recht verstanden habe…..
    So z.B. die Reaktionen in einer sogenannten Selbsthilfegruppe.
    Man muss wissen, dass ich einen schweren Skiunfall hatte, wo ich auf den Hinterkopf knallte…Ich war Mutterseelenallein am Berg und niemand hat den Unfall gesehen….. (Für hier eine zu lange Geschichte, die dann folgte)
    Da ich auch falsch behandelt wurde und NICHT krankgeschrieben wurde, hatte ich enorme Reaktionen des Körpers und des Kopfes….. und irgendwie haben mir die Leute auf der Strasse und die Informationen im Internet sehr geholfen.
    Irgendwie kam ich dann zur APHS -Angstpanikhilfeschweiz – wo ich doch recht gute Infos und Hilfsmittel lesen konnte…..
    Irgendwann habe ich mich einmal – als es mir möglich war – an der Teilnahme an einem Treffen einer diesbezüglichen Selbsthilfegruppe angemeldet…..
    Als ich dann dort ankam, wir in einer Runde sassen, sich jeder vorstellte und seine “Geschichte” erzählte, ging es aus mir raus, als wenn ein Ventil angestellt worden wäre und ich habe sehr rege mitgesprochen, zugehört usw. Aber ich war voll aufgeregt, mir liefen die Tränen, einfach eigentlich hat es mir gut getan….
    Am nächsten Tag bekam ich ein Telefon einer Teilnehmerin (vorgeschickt, bwz. beauftragt vom Leiter der SH-Gruppe), die mich bat, erstmal nicht mehr zu einem solchen Treffen zu kommen, ich wäre noch nicht stabil genug, ich sollte erstmal eine Behandlung beim Psychologen machen!

    Dies war meine einzige und letzte Erfahrung von einer Selbsthilfegruppe….

    Das Thema Verein, nun da muss man auch dazu geboren sein. Mein Vater war lange Zeit im Schützenverein, einfach um im Dorf akzeptiert und aufgenommen zu werden…. Er war dort nicht gebürtig…. Aber er hat es dann drangegeben und war dann nur noch inaktiv dabei….

    Was ich bis heute als Hilfe zur Entknotung von Problemen ansehe, ist die Familie, wirkliche Freunde, die einen verstehen und die dich nicht gleich anstarren, so in dem Sinne: Was hast du gemeint…..? Aber in einem gewissen Fall des Falles wird man das und die treffen, was man in dem Moment braucht, das habe ich am eigenen Körper und Geist erlebt….
    Liebe Grüsse
    Deine Brigida

    Gise sagt: Ohja, die Erfahrung habe ich auch schon gemacht, dass ich aus einer Gruppe ausgeschlossen wurde, nur weil man mit meiner recht selbstbewussten Art nicht zurechtkam. Aber mich hat die Kursleiterin höchstselbst angerufen.

    Ja, Brigida, das ist für mich immer wieder ein Wunder, dass man manchmal genau rechtzeitig auf die richtigen Leute trifft. Das erlebe ich im Moment auch wieder… :)

  5. Melanie:

    Ich meinte nicht, das Du (oder Leute die sich mehr raushalten) Schmarotzer sind, sondern das es in einer solchen Gruppe so gesehen werden könnte!

    Ich versuche immer beide Seiten zu “verstehen”, weil ich mich nicht damit abfinden will, das jemand willentlich gemein, unsensibel oder falsch handelt. Dann versuche ich von beiden Seiten “die Wahrheit” bzw. den Blickwinkel zu sehen.

    Gise sagt: Ich weiß, Melanie… ich habe mich von Dir auch nicht als Schmarotzerin angesprochen gefühlt. ;)
    Ich versuche es erst gar nicht, den einen oder anderen zu verstehen – ich nehme die Dinge so hin wie sie sind. Die Menschen sind so wie sie sind und haben, wie schon gesagt, ihre Gründe für ihr Tun oder Nichtstun.
    ;)

  6. Jeanie:

    Ich kenne das so ähnlich vom Herzkinderforum, einer Mailingliste für Eltern herzkranker Kinder. Ich war so heilfroh, als ich diese Gruppe gefunden habe, hab jedes bißchen Information rausgesogen, jeden Link angeklickt und kannte mich dann recht gut mit dem speziellen Herzfehlers meies Kleinen aus und auch mit vielen anderen auch… Und ich sog die Berichte der anderen Eltern auf… natürlich nur die Schlimmen… Ein falscher Blick des Kleinen und ich brach in Panik aus, weil bei dem einen Kind fing das doch auch so an… ein anderes hatte Windpocken und endete auf der Intensivstation usw… Wenn eine OP mißlang oder es wieder ein Sternenkindlein gab saß ich tränenüberströmt am PC.. Mein Mann hielt mich für total bekloppt.. er wollte ünberhaupt nichts mit Herzfehlern zu tun haben. Unser Sohn war für ihn opereiert und vorläufig war alles gut so. Was in ein paar Jahren sein wird interessiert ihn nicht. (Ich hab schon hin- und herüberlegt, welche OP wohl gemacht wird, ob Rinder- Schweine- oder Menschenklappe…) Anfangs hab ich Beiträge getippt wie wild, heute bin ich nur noch stille Mitleserin. Und ich denke, es muß auch in einer Selbsthilfegruppe jedem selber überlassen werden, wie er an das Problem rangeht, ob überhaupt und wenn ja wieviel er dazu sagen möchte und wie weit derjenige sich selber einbringen will. Nur weil eine sich total engagiert müssen es alle anderen nicht automatisch selber auch tun. Ich bin sicher, Du machst das schon richtig….

    Gise sagt: Danke, Jeanie… ich bin mir ja auch keiner “Schuld” bewusst. ;)
    Siehst Du, ich wäre wie Dein Mann… die Ärzte werden schon wissen, was sie tun, würde ich denken… :)

  7. isa:

    hallo Gise

    Zitat Gise sagt:
    “Entschuldige bitte – verzeiht mir alle bitte, dass ich mich nicht näher dazu äußern möchte, denn es geht nicht um die Problematik und es geht auch nicht um “die Anderen”, sondern um mich und meine Art, wie ich mit Problemen umgehen.

    Mir ist schon lange bewusst, dass ich es getreu nach der Bibel halte, als Jesus meinte, wir sollen uns nicht um das Morgen kümmern. Ich gehe und packe Probleme erst dann an, wenn es soweit ist und niemals schon rein prophylaktisch.

    oje Gise,
    ich hatte es nicht gleich verstanden, und gar nicht rausfiltern können, worum es dir ging.

    Also ich vermeide es auch mir mehr Probleme zu schaffen, als ich schon habe und kümmere mich primär um mein Jetzt.
    Aber auf manche Dinge bereite ich mich schon vor, oder mache mir Gedanken. Ich kann die Kinder ja nicht Impfen, wenn sie bereits Erkrankt sind.

    An Kreuzungen mache ich mir immer Gedanken wie die Wege sind, wo ich lang will und was mir wichtig ist. Da muss ich ja eine Entscheidung treffen.

    Dann gibt es noch die Dinge, die ich vor mir herschieben kann und die, die ich mir auflade, mit
    der Hoffnung das Maß für alles zu finden, um im Gleichgewicht zu bleiben.
    lg Isa

    Gise sagt: Hallo Isa,
    wenn ich ein Problem auf mich zukommen sehe – und einkaufen kann zum Beispiel für mich auch zu einem Problem werden, dann mache ich mir einen Plan oder verschaffe mir einen Überblick – und dann ist gut.
    Und Du sagst es, man muß bei allem im Gleichgewicht bleiben.

  8. Birgit:

    Hi Gise,
    ich sehe es wie Du – warum vor etwas Angst haben, was noch nicht eingetreten ist bzw. eintreten wird. Dein Vergleich mit dem Brustkrebs kann ich insofern nachvollziehen, das bei mir vor 5 Jahren ein Knoten in der Achselhöhle entdeckt wurde. Er ist gutartig, hat sich verkapselt und ich gehe noch nicht mal mehr regelmäßig zur Kontrolle. Warum? Eine Kollegin von mir ist regelmäßig zur Brustkrebskontrolle gegangen – nie war was. 14 Tage nach der letzten Kontrolle, die negativ (kein Krebs) ausfiel, hat sie die rechte Brust verloren. Das dazu.
    Danke für den Gedankenanstoss.
    LG
    Birgit

    Gise sagt: Sag ich doch… wie man es macht, es kann schief gehen…

  9. Gernot:

    Hallo Gise,

    Du hast in letzter Zeit sehr viel von Gemeinschaft und dazugehören geschrieben. Natürlich ist es kein Ausdruck von Gemeinschaft oder Anteilnahme, wenn man sich die Nachrichten im Fernsehen anschaut oder nicht. Mich interessiert der Tod von Menschen die ich nicht persönlich kenne in der Regel auch nicht (jedenfalls nicht so, daß ich mich deswegen stundenlang vor den Fernguckapparat setze). Hört sich hart an, aber Realität ist, daß wir alle irgendwann unseren letzten Gang antreten. Liegt vielleicht auch daran, daß ich mal Rettungsani und später Krankenpfleger u.a. auf Intensivstationen war und manche habe sterben sehen. Die Katastrophenmeldungen und die Sonderberichterstattung (in der Regel eh nur der zweite und dritte Aufguß von bereits gesagtem) schaue ich mir auch nicht mehr an. Ebenso lese ich keine Tageszeitung mehr. Wir haben eine Wochenzeitung abboniert, die Themen, die darin angesprochen werden haben immerhin eine gewisse Chance über einen Tag hinaus von Bedeutung zu sein.

    Du beklagst, daß nach dem Gottesdienst alle kommentarlos auseinanderlaufen – gleichzeitig nimmst Du für Dich in Anspruch in Gruppen eine zurückgezogene Position einzunehmen. Passt irgendwie nicht recht zusammen. Ich bin selbst in einigen Gruppen und Vereinen. In großen Vereinen ist es selbstverständlich, daß es eine große Zahl von inaktiven Mitgliedern gibt, die nur passiv am “Vereinsleben” Anteil nehmen (man könnte auch sagen “konsumieren”). In kleinen Vereinen und Gruppen, die praktisch ausschließlich aus “Aktiven” bestehen, erwarte ich schon, daß Menschen, die neu dazu kommen, sich nach einer gewissen Zeit (die wir Ihnen zugestehen) einbringen – oder halt wieder gehen. Es kommt dann manchmal (selten) auch vor, daß wir jemandem sagen “war nett, daß Du bei uns reingeschaut hast, aber wir passen nicht zusammen – sorry, aber das kommt im Leben vor”. Für Selbsthilfegruppen würde ich dies (jenseits der Diskussion über Sinn und Gefahren von SHGs) ebenso sehen. Und im Web ist wieder alles ganz anders… (und über dessen Sinn denke ich auch immer öfter nach…).

    LG

    Gernot

    Gise sagt: Hallo Gernot,
    es paast schon zusammen. Ich muß und ich will mich nicht dauernd zu 100 % einbringen. Es gibt Tage, da bin ich belastbarer, ausdauernder und offener, dann gibt es auch wieder Tage, da ziehe ich mich lieber ein wenig zurück.

    Gerade Du als ehemaliger Sani solltest es doch am ehesten kennen, dass in “Problem”gruppen die Erwartung des Einzelnen an die Gruppe anderer Natur ist als in einem Verein. Aber egal wo, wenn es mir danach ist, nehme ich mir das Recht heraus, mich zurück zu ziehen. Wie willst Du mich davon abhalten? Wenn Du mir dann antwortest: “Tja, liebe Gise, du und unser Verein/unsere Gruppe passen nicht zusammen”, sage ich: “Recht hast du” und gehe…

  10. Gernot:

    Hi Gise,

    das jemand mal mehr mal weniger mitmacht ist normal. Aber es gibt halt Leute, die machen immer nichts – und in kleinen Gruppen, wo viel davon abhängt, daß z.B. die Aufgaben gleich verteilt werden, geht das halt nicht. Da ist es dann besser sich zu trennen. Ich bin in einer kleinen Naturschutzgruppe, wir sind so 10-15 Leute. Da gab es mal jemand, der kam immer nur dann wenn wir was gefeiert haben. Wäre ja noch ok, gewesen, wenn er einen Kasten Bier oder einen Salat mitgebracht hätte, aber er hat halt nur für zwei gefuttert. Und da habe ich ihm das dann auch gesagt… und er ging.

    LG

    Gernot

    Gise sagt: So einen “Genießer” hatten wir auch einmal in unserem Square dance Club. Komisch, dass ihm keiner geglaubt hat, wie sehr er sich in einem Faschingsverein engagiere und wie sehr beliebt er dort deswegen sei… :lol:

  11. Witha:

    Gruppen und Vereine jeglicher Art sind mir suspekt….allerdings denke ich, für viele Menschen die Möglichkeit, Kontakte zu haben und Hilfe zu finden..
    Ich bin ein Mensch, der die schönen Dinge des Lebens mit anderen teilt und bei miesen Geschichten sich zurückzieht und es allein mit sich ausmacht oder allerhöchstens mit meiner besten Freundin….
    Und was das Unglück in der Welt betrifft; ich kann es nicht ändern, sogern ich es auch täte….ich versuche, in meiner eigenen kleinen Welt ein schönes Lebensgefühl zu erreichen und auch an meine Familie weiterzugeben…..aus Nachrichten hab ich mich ausgeklinkt….ich höre kein Radio mehr und sehe nur noch Ausgesuchtes im Fernsehen….Ich liebe das Leben, genieße es, geschieht ein Unrecht in meinem Umfeld, mische ich mich ein, ich bin niemand, der wegsieht….ich spende für Kinder in meinem finanziellen Rahmen, mehr kann ich nicht tun…..ich bin da für meine Leute und für Freunde; für Fremde nicht mehr.

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