Jetzt etwas ausführlicher
So, jetzt nehme ich mir die Zeit, Euch mit Neuigkeiten aus meinem Leben zu versorgen. Nachher hole ich die Kleine wieder von ihrem Kindergarten ab und da widme ich meine ganze Aufmerksamkeit nur dem Kinde.
Fangen wir mit meiner Mutter an. Ich denke, ich habe mein Verhältnis zu ihr auf die zu leichte Schulter genommen, denn ich habe inzwischen festgestellt, dass ich seeehr nachtragend bin. Nein, ich kann ihr nicht verzeihen. Da ich nicht das Gefühl habe, dass sie zu einer Aussprache mit mir bereit ist, werde ich therapeutische Hilfe suchen. Den ersten Schritt dahin habe ich schon getan.
Besuchen werde ich sie nur dann und wann einmal. So oft wie nötig, aber so selten wie möglich. Sollten meine Besuche bei ihr mich zu sehr mitnehmen, werde ich mir die Freiheit nehmen, den Kontakt zu ihr wieder ganz abzubrechen…

Das vorletzte Wochenende habe ich in Berlin verbracht. Bei meiner Nichte und ihrer Mama. Geplant war, dass meine Schwägerin und ich uns unter anderem ins samstägliche Nachtleben stürzen, aber das Shoppen von Schuhen und sonstiges am Nachmittag hat uns vorzeitig müde werden lassen. Dafür sind wir eben am Sonntag in die Kirche gegangen. Dort konnte man fast genauso gut zu rhythmischen Klängen wippen und klatschen und nach der Messe saß ich mit fremden Menschen zusammen und plauderte mit ihnen als ob wir das schon immer so gemacht hätten.
Nach Berlin geflogen bin ich an dem Freitag schon ganz früh am Morgen. Es war kalt, alles war mit Reif überzogen und ich hatte irgendwie Angst zu fliegen. Was, wenn der Flieger wegen gefrorener Tragflächen abstürzen würde? Mir ging es an jenem Morgen psychisch eh nicht gut, mir war eher zum Heulen denn zum Lachen zumute.
Mir kamen schon immer ein paar Tränchen in die Augen, sobald der Flieger zum Abheben beschleunigte. Ich kann das Gefühl, das ich beim Flugstart habe, kaum beschreiben. Es ist eine Mischung aus Glücksgefühl, dass wir Menschen technisch in der Lage sind zu fliegen und der Angst abzustürzen. Mein seelisches Gleichgewicht habe ich aber jedes Mal wieder, sobald das Flugzeug nicht mehr so steil nach oben geht.
Diesmal war es anders. Ich habe regelrecht geheult. Zwar stumm und neben mir saß niemand, was mir recht war, aber peinlich war es mir dennoch, wie mir die Tränen nur so die Wangen hinunter liefen. Doch dann, wie gehabt, hat das Weinen wieder aufgehört, sobald das Flugzeug in die Waagerechte schwenkte. In mir beschlich sich das Gefühl, dass ich anfange, an Flugangst zu leiden.
Die Landung hatte es aber auch in sich. Ich schwöre Euch… in Berlin hat man den Luftraum mit Pflastersteinen belegt, so sehr hat es beim Landeanflug geruckelt. Der Flieger war schnell und setzte so hart auf, dass er noch einmal hochhüpfte. In mir stieg wieder die Angst hoch und ich beschloss, nach Hause den Flug verfallen zu lassen und stattdessen mit der Bahn zu fahren.
Berlin begrüßte mich mit kräftigem Wind und Schneeregen. Igitt. Das ganze Wochenende über hat der Wind heftig geblasen und es fiel öfters mal feiner Regen. Erst am Montag wurde das Wetter besser, aber da bin ich eh wieder nach Hause… geflogen. Diesmal war der Flug ruhig und mein Gefühlschaos hielt sich wie üblich im gewohnten Rahmen.
Stuttgart hat mich mit Sonnenschein satt und warmer Luft begrüßt. Dieses Wetter hat wohl das gesamte Wochenende über über Süddeutschland geherrscht. Da habe ich wettermäßig echt was verpasst! Am Dienstag hat es nämlich wieder geregnet, als ich mit meiner Arbeit im Kindergarten fertig war.
Tel Aviv… ääääh… c’est la vie!

Am Samstag Vormittag ist meine Nachbarin mit ihren beiden Kindern in die Kinderklinik gefahren, weil der Große über Bauchweh klagte und hohes Fieber hatte. Am Abend rief sie mich an (so lange saßen sie in der Ambulanz fest), um mir mitzuteilen, dass der Junge für weitere Untersuchungen stationär aufgenommen werden müsse. Ich habe die Kleine abgeholt und mit ihr bei ihr zu Hause übernachtet. So kam es, dass ich nun wieder eine Mutterrolle übernommen habe. Ich bin nun jede Nacht mit der Kleinen bei der Nachbarin, damit die Maus in ihrer gewohnten Umgebung ist. Tagsüber bin ich bei mir zu Hause, um meine Angelegenheiten zu erledigen. Wann ihr Bruder mit der Mutter wieder nach Hause darf, steht noch in den Sternen, denn er hat nach wie vor Fieber.
So, jetzt gehe ich die kleine Maus vom Kindergarten abholen. Sie ist echt eine Süße. Ich bin froh und dankbar, dass sie mir vertraut und sich von mir bereitwillig ver- und umsorgen lässt.
Kurzmeldung
Ihr Lieben, vielen Dank für Eure Nachfrage: mir geht es gut, aber seit gestern bin ich voll für eine kleine Zaubermaus verantwortlich. Ihr Bruder musste notfallmäßig in die Klinik und seine Mutter ist mit ihm aufgenommen worden.
Ich melde mich morgen wieder, die Kleine mache ich jetzt so langsam bettfertig.
Versöhnt
Gestern habe ich meine Mutter nach 15 Jahren zum ersten Mal wieder gesehen und mit ihr gesprochen. Schon seit einiger Zeit schwanke ich hin und her, ob ich mir das antun will ihr zu begegnen, ob eine Aussprache mit ihr möglich wäre oder ob ich in der Lage wäre, die Vergangenheit einfach ruhen zu lassen und sie jetzt so zu nehmen wie sie ist.
Seit einer Woche liegt sie nun in einem Krankenhaus hier in Stuttgart und da bietet sich mir eine gute Möglichkeit, wieder mit ihr in Kontakt zu treten, ohne zu ihr nach Hause gehen zu müssen.
Im allerersten Moment wollte ich sofort vor ihr weg- und nach Hause flüchten. Sie wusste, dass meine Schwester sie besuchen würde, aber sie wusste nicht, dass ich mit dabei sein würde. Dementsprechend hat sie erst einmal geweint und mir zu verstehen gegeben, dass sie mich gern umarmen und fest an sich drücken möchte. Nein, das wollte ich nicht.
Meine Schwester und ich waren fast den ganzen Nachmittag bei ihr.
Auf der Heimfahrt spürte ich in mir großes Mitleid mit dieser Frau. Sie leidet große seelische Not, hat Alpträume, die sie aber als real geschehen erlebt. Ich will ihr helfen, da wieder herauszukommen und ich hoffe sehr, dass ich die richtigen Worte finde, ihr zu erklären, warum sie sich ärztlich helfen lassen soll.
Ja, ein Stück weit bin ich jetzt mit ihr versöhnt. Was geschehen ist, ist geschehen. Heute bin ich eine erwachsene Frau, die meiner Mutter als solche und nicht wie ein Kind entgegentreten kann.
Jetzt fahre ich wieder zu ihr hin und bringe ihr ein paar Dinge vorbei, die sie noch dringend benötigt.
Schreck lass nach
Meine Tochter und ich waren heute Abend gemeinsam unterwegs.
Ich war die Fahrerin.
Als wir gerade aus L.-Echterdingen hinausfuhren, in Richtung B27 nach Stuttgart, dachte ich plötzlich: “Hä? Das ist neu, dieses weiße Lichterpaar da vor uns auf meiner Spur…”
Erst als meine Tochter aufschrie: “Mama, pass auf!” realisierte ich, dass uns ein Geisterfahrer entgegenkam und ich bin sofort auf die rechte Spur ausgewichen. Wir hatten Glück, dass dort gerade frei war. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wäre dort auf dem Zubringer zur B27 und zur A8 dichter Verkehr gewesen. Meine Tochter und ich fragen uns, wo dieser Geisterfahrer denn hergekommen sein mag.
Neenee, so etwas muss ich nicht nochmal erleben…
Örks
Eben habe ich mit der – übrigens sehr netten! – Dame vom Finanzamt telefoniert. Hätte ich das lieber schon vor drei Jahren getan, denn nun darf ich Einkommenssteuererklärungen für drei Jahre nachreichen!
Ich wusste gar nicht, dass ich dem Finanzamt gegenüber generell meldepflichtig bin, auch wenn mein Honorar weit unter der Einkommensgrenze ist. Jetzt habe ich mächtig was zu tun!
Örks…
