Mitleid
Ich danke Euch vielmals für Eure Worte hier im Blog und auch per eMail zum Verhältnis zwischen meiner Mutter und mir. Ich bin froh, dass ich vor Euch laut gedacht habe, denn ich habe das Gefühl, dass ich nun ein kleines Stück weiter gekommen bin.
Es gab Zeiten, da habe ich nur Hass gegen meine Mutter gehegt. Ich hätte ihr gerne weh getan, sie beschimpft und beleidigt, so wie sie es mit mir getan hat. Aber ich wusste gleichzeitig, dass das nichts gebracht hätte außer noch härtere Fronten.
Im Moment empfinde ich für meine Mutter nur Mitleid.
Sie hat als Kind den Krieg erlebt – wer weiß, was sie durchmachen, mit ansehen und ertragen musste.
Sie war wohl ein “schwieriges” Kind, denn sie erzählte einmal von einer Teufelsaustreibung, die man an ihr vorgenommen hätte. Dazu hat meine Oma ihr den Kopf wohl in einen Eimer Wasser gesteckt und dabei gebetet.
Meine Mutter war offensichtlich selbst ein misshandeltes Kind. Über ihre Mutter hat sie nie Gutes gesprochen, während sie ihren Vater offenbar abgöttisch geliebt hat.
Ihr habt Recht… eingestehen, dass sie als Mutter gravierende Fehler gemacht hat, wird sie nicht.
Ich habe eben mal recherchiert, denn im Dezember bin ich in einem Blog auf eine Sendung mit der “Supernanny” gestoßen. Im Fernsehen habe ich mir diese Serie nie angeschaut, aber die Bloggerin war über diese eine Mutter sehr entsetzt, so dass ich mir das Video angeschaut habe. So wie die Frau im Film war meine Mutter zu mir. Und so wie der Junge habe ich mich gefühlt. Ich musste beim Anschauen und mich erinnern einfach weinen.
Wer es ertragen kann, kann sich einmal das Video anschauen.
Ich denke, ich werde die Vergangenheit ruhen lassen. An ihr kann man nichts mehr ändern und meine Mutter ist wohl aus ihrer eigenen Vergangenheit heraus so geworden wie sie nun ist.
Es genügt, wenn ich weiß, was ich geleistet habe und leisten kann.
Es genügt, dass ich meinen Kindern eine gute Kindheit geschenkt habe und dass sie jetzt als erwachsene Personen immer noch gern bei und mit mir zusammen sind.
Ich denke, dass ich meiner Mutter verzeihen kann…

Sonntag, 15. März 2009 um 11:37
Gise, du hast etwas wunderbares vollbracht, indem du deine eigene Erfahrungen mit deiner Mutter nicht an die nächste Generation weitergereicht hast.
Den Kopf unter Wasser gesteckt zu bekommen bricht brutal den Willen eines Menschen und ändert u.U. ganz gravierend seine Persönlichkeit. Ganz besonders dann, wenn der Folterprozess erst kurz vor dem ertrinken beendet wird. Mit solchen Erfahrungen können Menschen sogar zu multiblen Persönlichkeiten werden. Das zu lesen tut sehr weh doch ist es auch ein großes Glück, dass deine Mutter nicht noch mehr Altlast an dich weitergereicht hat.
Sonntag, 15. März 2009 um 14:11
liebe Gise,
ich denke – du bist schon weit, wenn du sagst: Ich denke, dass ich meiner Mutter verzeihen kann…
Und ich denke auch, dass du das nicht “nur” so sagst, du verzeihst deiner Mutter auch und zwar immer wieder…
Sei ganz lieb gegrüsst und geniesse einen ganz tollen Sonntag, bisous, Martha
Montag, 16. März 2009 um 22:43
Ich hab das Video zweimal halb geguckt. Nein, ich möchte es nicht zu Ende gucken. Ich denk immer nur: Das arme, arme Kind. Ich würde den da sofort rausholen wollen…
Wenn Du sowas aus Erfahrung kennst: Es tut mir soooo leid für Dich. Mensch, was hab bzw. hatte ich es schön!

So sorry…