Kabisa Gise – Blog

ganz und gar Gise

2008
Donnerstag
3
Apr

Ältestes Buch im Regal

Veröffentlicht von: Gise
um 09:36 Uhr
 

In meinem Bücherregal steht ein Buch, das ich als Schülerin schon sehr geliebt habe. Es gehörte meiner Mutter, die eine passionierte Strickerin war. Sie war es, die mir das Stricken beigebracht hat. Dazu hat sie sich erst einmal in ihrer Küche eingeschlossen und selbst versucht, die Stricknadeln mit ihren Zehen zu halten. Erst als dies einigermaßen klappte, hat sie sie mir in die Füße gegeben. Da die Zehen aber zu kurz sind, um den Faden über den “Zeigezehen” laufen zu lassen, hat mein Vater den Fadenlauf einer Strickmaschine auf eine schwere Eisenscheibe geschraubt.

Es war merkwürdig… meine Mutter war gnadenlos. Anstatt froh zu sein, dass ich überhaupt in der Lage war zu stricken, hat sie bei Fehlern rigoros alles wieder aufgetrennt. Ich musste gleichmäßig und fehlerfrei stricken. Dabei brauchte ich für eine Reihe siebenmal so lange Zeit wie meine Mutter.

Andererseits hat sich meine Mutter damit zufrieden gegeben, dass ich wenigstens rechte und linke Maschen stricken konnte. Alles andere wie das Anschlagen, Abketteln und Zusammennähen der Teile hat sie für mich gemacht. Dabei wollte ich das auch lernen. Und ich wollte kompliziertere Muster ausprobieren. Meine Mutter wollte es mir niemals zeigen. Heute vermute ich, dass sie mir den Stress und die Schläge ersparen wollte, die unweigerlich nicht ausgeblieben wären. Meine Mutter war jähzornig und wenn etwas nicht klappte oder ich wieder einmal begriffsstutzig war, war ich ihren wüsten Beschimpfungen und Schlägen hilflos ausgeliefert.

Aber ich wollte Stricken lernen! Also nahm ich das Buch in die Füße und studierte es.

Strickbuch

Das Buch ist aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, wie man am Ende des Vorworts erkennen kann. So wie es damals üblich war, hatte es auch einen Umschlag aus Papier, aber der war schon in meiner Kindheit ein wenig zerfleddert, weshalb er irgendwann einmal im Müll landete.

Vorwort

Bevor man sich an die Kunst des Strickens wagt, lernt man zuerst das Häkeln. Im Inhaltsverzeichnis sieht man, dass beim Erlernen nichts ausgelassen wurde.

Inhaltsverzeichnis

Weiter geht es im Inhaltsverzeichnis.

Inhaltsverzeichnis 2.Teil

Die Anleitung ist in einfachen Schritten beschrieben.

Strickanleitung Handschuh

Aus diesem Buch habe ich mir selbst das Anschlagen der Maschen beigebracht.

Maschen anschlagen

Ich war stolz wie Oskar, als ich es endlich konnte und habe es stolz meiner Mutter gezeigt. Ihre Reaktion? Sie hat nichts gesagt. Gar nichts. Sie schien irgendwie enttäuscht oder verärgert gewesen zu sein. Zumindest hatte sie keinen strahlenden, sondern eher einen verbitterternsten Gesichtsausdruck. Ich habe mich nicht beirren lassen und aus dem Buch mir das Stricken von Zopfmustern beigebracht.
Socken kann ich auch stricken. Mit nur vier Nadeln. ;)

Wer mag, kann die Bilder natürlich auch in großer Ansicht schauen. Dazu klicke einfach in das entsprechende Bild, das sich dann in einem neuen Fenster/Tab öffnen wird.

Nachtrag:
Ich würde gerne wieder stricken, aber leider machen meine Gelenke nicht mehr mit.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 3. April 2008 um 09:36 Uhr und wurde abgelegt unter "behindert?, Bilder". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

12 Kommentare

  1. Armin:

    hi gise,

    ein herzliches Dankeschön für den Tip!

    Selbstverständlich hab’ ich dich auch schon als Feed gespeichert. Geht ja gar nicht dass ich nur weil Du den Anbieter gewechselt hast Deine Beiträge verpasse.

    Noch 3 Wochen? Werd ich mir notieren, versprochen!

    Liebe Grüße

    Armin

    BTW: Solche Bücher sind doch echte Schätze, oder..?

    Gise sagt: Ich habe tatsächlich schon mit dem Gedanken gespielt, das Buch bei ebay zu verkaufen. Aber neee, ich werde es behalten. Meine Tochter strickt leider nicht, aber vielleicht werde ich mal ein handarbeitendes Enkelkind bekommen… ;)

  2. Armin:

    definitiv NICHT verkaufen wäre meine Meinung. Irgendjemand in Deiner Familie wird sich bestimmt einmal darüber freuen.

    ganz nebenbei: wenn ich mal babba werd und dann auch noch ne tochter – auf die irritierten Blicke darf sie sich heute schon freuen, wenn sie erklärt, ihr vater hätte ihr das stricken beigebracht. Jener Babba, der inzwischen sogar die Trachtenstrümpfe trägt, die er vor zig Jahren mal selbst gestrickt hat :-)

    Gise sagt: *lach* Und wenn Du Vater eines Jungen wirst, lehrt ihm seine Mutter das Schrauben und Hämmern, oder wie oder was, hä?

  3. Bonafilia:

    Da versteh einer mal so manch eine Mutter! Sollten nicht alle Mütter stolz auf ihre Kinder sein und sich über ihre Erfolge freuen? Meine Hochachtung hast du ich find das toll das du stricken kannst, zu gerne würde ich das mal sehen wie das mit den Füßen funktioniert. Liebe Grüße auch von Viktor

    Gise sagt: Ich verstehe meine Mutter noch heute nicht, obwohl ich jetzt selbst Mutter bin. Ich denke mal, dass sie mich gerne ein Leben lang “klein” halten wollte, damit sie immer jemand zum Kümmern und Betütteln hat.
    Grüße zurück an Vik!
    :)

  4. Armin:

    und ob das hämmern und schrauben die aufgabe von muttern wird. ich mag zwar 3 jahre aufs technische gymnasium gegangen sein, aber das war nur mittel zum zweck (abi nach der realschule) – und nicht geeignet dazu, mit meiner zwei linken hände zu bedienen. na ja lieber zwei linke hände als gar keine. oh das hab ich jetzt nicht wirklich gesagt. sorry wenn mein humor mal wieder durchbricht.
    nein was ich eigentlich sagen wollte… meine frau ist eindeutig handwerklich begeisterter. und fähiger. ich hab halt (mit ausnahme beim stricken) zwei linke hände. meine frau dagegen kannste echt auf alles loslassen. inkl. automotoren o.ä. (eine ausbildung zur landwirtin machts möglich).

  5. Armin:

    mit meiner zwei linken hände zu bedienen? sollte eigentlich heißen “mich meiner zwei linker hände zu…” äh was wollte ich da eigentlich genau sagen?

    Sinngemäß: die zwei linken hände sind nicht wirklich flöten gegangen auf dem technischen gymnasium

    Gise sagt: *lach* Ich weiß auch nicht, was schlimmer ist… zwei linke oder gar keine Hände zu haben…
    Mich ist in Deiner Ausführung, wie Du Deiner Tochter das Stricken beibringen wirst, nur aufgefallen, dass es für Dich selbstverständlich zu sein scheint, dass Mädchen das Handarbeiten erlernen. Was ist mit Jungs? Von Dir hätte ich eher die neutrale Formulierung “Kind” erwartet. Oder wirst Du Deinen Sohn für eine Memme halten, sollte er einmal strickenderweise seine Freizeit verbringen wollen?
    :-) ))

  6. Armin:

    Gise: zwischen den zeilen muss man lesen. meiner tochter muss ich das stricken beibringen. sofern von ihr gewünscht. mein sohn erbt schon die mann-strickt-gerne-gene, dem muss man’s nimmer beibringen :-p

    Gise lacht! *roooofl*

  7. Armin:

    Gise: ja ja ich gestehe ja ich bin ein gnadenloser Selbstdarsteller :-)

    aber mal zurück zum Eingangsthema: MEIN ältestes Buch im Regal ist ein handgeschriebenes Kochbuch. Derzeit von meiner Mutter ausgeliehen, weil ich gerade Kurrent erlerne…

    Gise sagt: Mensch Armin, ich dachte jetzt, was eine tolle Kochart… Kurrent… bis ich eben nach diesem Wort gegoogelt habe… *gggg*
    Wozu brauchst Du diese alte Schreibweise?

  8. Armin:

    Gise: was du meintest ist Curry *zungerausstreck*

    ja gut wofür braucht man Kurrent… ich find’s halt zum einen spannend eine neue Schrift zu lesen (seit ca. 10 Jahren oder etwas länger) bzw. zu schreiben (seit einigen Monaten) zu lernen.

    Dann kann man mit den alten Kochbüchern der Ur-Eltern sogar noch etwas anfangen.

    Prinzipiell finde ich’s natürlich so dass man das Wissen um diese Schrift, die ja jahrhundertelang in Deutschland geschrieben wurde (bis 1941) bewahren sollte. Aktive Hilfe gegen das Vergessen könnte man meine Motivation nennen… ganz ähnlich eigentlich liegt meinem Motivation mit dem Stricken von Trachtenstrümpfen – nur dass da die Autorin der Bücher “Bäuerliches Stricken” (auf die ich so abfahre, also die Bücher meine ich) diejenige war, die etwas vor dem Vergessen bewahrte…

    Gise sagt: Was wollt ich denn jetzt sagen…? Habs vergessen… :-D

  9. Isa:

    hallo Gise,
    nee, nicht bei ebay verhökern.:-) Boah, wie stark warst du als Kind. Ich bewundere dich dafür.

    Das Buch richtet sich zwar an Mädchen und Frauen, klar in den 50gern, aber Jungen schätzen Handarbeiten oft auch, wenn man es nicht der Schule überlässt, es ihnen beizubringen. *gg*
    Mein Sohn war schon mit 6Jahren ein meisterhafter Häkler und später auch Stricker. Genauso der Sohn meiner Freundin. Stricken war ja mal ein Männerberuf. Heute ist das ein Maschinenberuf.

    Gise sagt: Keine Sorge, ich behalte mein Buch. ;)
    Als Kind kam ich mir immer klein, dumm und hilflos vor. Diese Gefühle haben weit in mein Erwachsenendasein gereicht. Erst jetzt im Rückblick merke ich erst, wie stark ich in manchen Situationen war.

    Gibt es denn typische Männer- und Frauenberufe? Es vermischt sich immer mehr. So wie man immer mehr Frauen an Maschinen und bei der Bundeswehr antrifft, so treten immer mehr Jungs als Kindergärtner oder Krankenpfleger auf.

  10. Mel-J:

    Oh, ich habe auch noch ein altes Buch… von Tchibo 1977 (mein Geburtsjahr) das große Buch vom wohnen. Da habe ich als Kind wahnsinnig gerne drin geblättert. Vermutlich kann ich deswegen heute so gut einrichten *gg*

    Gise sagt: Ich denke, Du hast schon immer das Talent gehabt, Wohnungen gut einzurichten und das Buch war zufällig da, um dieses Talent zu fördern. In den Haushalten unserer Eltern gab es ja auch Kochbücher, Krimis, Autozeitschriften, usw., aber deswegen kann ich noch lange nicht kochen oder Morde aufklären oder gar planen oder Autos reparieren. ;)

  11. Blueswoman:

    Hallo liebe Gise,
    ich hab ja schon in Deinem “alten” Blog immer gelesen und nun bin ich Dir hierher gefolgt. Es ist ja ohnehin bewundernswert, wie Du Dein Leben meisterst, doch jetzt auch noch lesen, daß Du stricken kannst, das läßt meinen Mund offen stehen, auch wenn Du es aktuell nicht mehr machen kannst, wegen der Gelenke. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, daß Deine Gelenke Dir aber immer das “Wichtige” ermöglichen, das Du Deinen Tag angenehm gestalten kannst.
    Ich habe mir erlaubt, Dich in meiner Linkliste aufzunehmen und wünsche Dir weiterhin viel Kraft und positive Gedanken, sowie viel Freude beim Gestalten Deines Blogs.
    Liebe Grüsse
    Blueswoman

    Gise sagt: Ja, meine Gelenke sind mir wichtig. Deshalb achte ich sehr darauf, mich nicht zu übernehmen.
    Danke für Deine Wünsche.
    :)

  12. Erika:

    Gise nun habe ich dich doch wieder problemlos gefunden. Toll, dass du stricken kannst! Ich habs neulich auch wieder probiert. Einen schönen warmen Schal. Als er lang genug war, wusste ich nicht mehr wie man die Maschen abkettelt. Dank Internet hab ichs dann doch noch geschafft.
    Mein ältestes Buch hat leider keine Jahreszahl eingedruckt. Aber es stammt aus der Zeit vor 1900 und heißt “Neues Handbuch der Naturheilkunde”. Es ist sehr interessant und auch amüsant.
    Ich wünsche dir, dass deine Gelenke gaaaaaanz lange gelenkig bleiben.
    Liebe Grüße von Erika

    Gise sagt: Mit Naturheilkunde werde ich mich in nächster Zeit öfters befassen. Meine Katze ist nierenkrank und da kommt man mit der Schulmedizin nicht weit.
    Auch Dir danke ich für die guten Wünsche.
    :)

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