Altersabhängig?
Ihr Lieben, ich danke Euch für Eure Gedanken zu meinem Eintrag über meine Füße.
Generell möchte ich einmal festhalten, dass dort im Kindergarten unterschiedliche Frauen arbeiten. Es ist also nicht so, dass die Erzieherinnen geschlossen vor mir stehen und “Füße vom Tisch” fordern. Nein, das nicht!
So unterschiedlich die Frauen sind, so unterschiedlich ist ihre Bereitschaft, sich auf eine Behinderung einzulassen.
Natürlich, wenn ein Kindergarten bereit ist, auch auffällige Kinder aufzunehmen, wird von den dort Beschäftigten Akzeptanz erwartet. Aber ich denke, es macht durchaus einen Unterschied, ob ein Kind oder ein junger Mensch oder ein Betagter ein und dieselbe Behinderung hat.
Wenn ein Baby sich die Zehen in den Mund steckt und daran nuckelt, finden es alle goldig. Einem Kindergartenkind verbietet man es schon.
Selbst ich vermeide es, mir während dem Essen die Zehen abzulecken, weil ich denke, dass jede Toleranz auch ihre Grenzen hat.
Ein Baby zu füttern und in Kauf zu nehmen, dass es dabei sabbert, macht wahrscheinlich fast keinem etwas aus. Bei stark spastisch gelähmten Kindern ist die Akzeptanz des Sabberns schon etwas schwieriger. Man muß sich, je älter dieser behinderte Mensch ist, stärker damit auseinander setzen und sich daran gewöhnen. Oder man kann es nicht.
Versucht einmal, Euch bildhaft vorzustellen, Ihr füttert ein Baby mit dem Löffel. Der Brei rutscht dem Säugling immer wieder aus dem Mund.
Nun stellt Euch vor, Ihr werdet plötzlich mit einem Jugendlichen konfrontiert, den Ihr füttern müsst. Auch ihm läuft die Nahrung immer wieder aus dem Mund.
Wie sieht es nun mit einem Senior aus, den man füttern muß? Ich vermute, dass es manchem von uns schwer fallen würde. Ich jedenfalls müsste mich auch erst daran gewöhnen. Deshalb kann ich die beiden Erzieherinnen, die mit meinen Füßen auf dem Tisch ihre Probleme haben, schon irgendwie verstehen. Aber ich sehe die Lernbereitschaft der Erzieherinnen. Deshalb bitte ich Euch, geht auch Ihr mit ihnen nicht so hart ins Gericht…

Sonntag, 18. Januar 2009 um 11:02
Toleranz und ein bisschen Lachen
kann schon Vieles leichter machen
Sonntag, 18. Januar 2009 um 13:11
Ist das nicht eigenartig?
Unser Sohn (damals 15/16 Jahre) verzieht beim Wickeln seiner kleinen Neffen das Gesicht und fragt sich, ob er das je “könnte”.
Heute (18) arbeitet er freiwillig in einem Hospiz in Jerusalem mit schwerkranken und sterbenden Menschen, die gefüttert, gebadet und gewindelt werden. Er macht seine Arbeit gerne und würde heute sicher seine inzwischen neugeborene Nichte ohne Probleme wickeln.
Montag, 19. Januar 2009 um 09:46
Guten Morgen Gise!
Also ich verstehe das ” Problem ” nicht, dass die Erzieherinnen haben.
Jeder weiss, dass Babys gefüttert werden müssen und wenn sie es selber probieren, kleckern sie natürlich enorm.
Und ein Mensch mit Parkinson kleckert auch, da er wegen der Krankheit keine 100%ige Kontrolle über seine Extremitäten hat.
Ja und alte Mensch brauchen wieder Hilfe, beim Essen, beim Toilettengang. Alles ganz normal und das ist der ganz alltägliche, jahrhundertalte Lebensablauf.
Und Menschen mit multipler Sklerose brauchen einen Rollstuhl und Menschen ohne Arme brauchen ihre Füße!
Für mich: basta und aus!
Schade, aber auch bei Erzieherinnen gibt es solche und solche!
Anstatt dass die Erzieherinnen die Gelegenheit nutzen, um den Kindern für ihren späteren Lebensweg etwas mit auf den Weg zu geben .
Sie sollten lieber den Kindern zeigen, dass es auch bei solch einer massiven Einschränkung wie bei Dir, immer einen Weg gibt und dass das Leben für Dich auch sehr lebenswert ist und es für Dich auch andere Dinge gibt, die vielleicht wichtiger sind, als Deine fehlenden Arme.
Ich glaube die sollten mal ein paar Stunden Supervision machen.
Ich hoffe es kommt rüber was ich ausdrücken will !
Du machst das genau richtig liebe Gise!!!!!
LG Sabine