Kabisa Gise – Blog

ganz und gar Gise

2012
Dienstag
24
Jul

Erlöst

Veröffentlicht von: Gise
um 10:00 Uhr
 

Vorgestern schien mir Minkas wackeliger Gang noch wackeliger zu sein als sonst. Ich war mir nicht sicher, ob sie Schmerzen hatte oder nicht, aber sie ging zwar langsam, doch immerhin zu ihrem Wassernapf und trank daraus. Gefressen hat sie eh schon wenig, doch vorgestern verweigerte sie ihr Futter.

Ihr Katzenklo benutzte meine Fellnase nur, um Wasser zu lassen; den Kot setzte sie grundsätzlich irgendwo im Wohnzimmer ab. Meine Tierärztin meinte schon letzten Monat, dass wir jetzt aufpassen und im richtigen Moment entscheiden müssten, die Katze zu erlösen.

Vorgestern verstärkte sich meine Ahnung, dass ich Minka nicht mehr lange um mich haben würde…

Als ich gestern Morgen aus meinem Schlafzimmer kam, lag meine Katze direkt vor ihrem Wassernapf und döste.


Klick!

Mir zog sich mein Herz zusammen. Ich wusste sofort, dass ich mich nun von ihr verabschieden musste, alles andere wäre Tierquälerei.


Klick!

Ich habe meiner Katze etwas Futter angeboten. Sie hat zwar daran geschnuppert, aber es dann doch nicht angerührt. Stattdessen ging sie ein paar Schritte – nein, sie schleppte sich! – vom Wassernapf weg in die Mitte des Zimmers und pieselte. Danach schaute sie mich beschämt an. Ich habe sie nur am Kopf gestreichelt und ihr gesagt, dass es okay sei. Sie hat sich zu ihrem Stuhl geschleppt und sich daneben auf den Boden gelegt.

Schon seit Monaten lag Minka nur noch auf dem einen Stuhl, der meinem Computerplatz am nächsten stand. Uns trennte so etwa ein halber Meter und ich konnte sie bequem streicheln. Sie verlangte oft nach Streicheleinheiten, die sie natürlich auch bekam.

Vorgestern hatte sie große Mühe, auf ihren Stuhl zu springen, doch gestern war sie einfach zu schwach dafür.

Ich habe meiner Tochter im Büro angerufen und ihr vom Zustand unseres Felllieblings erzählt. Meine Tochter hat mir sofort angeboten, uns zur Tierärztin zu begleiten, aber sie war im Gegensatz zu mir zuversichtlich.

Unsere Tierärztin ist einfach eine herzensgute Seele von einem Mensch. Als sie Minka sah, meinte sie, dass man die Katze zwar mit Infusionen und Spritzen wieder etwas aufpäppeln könne, aber eben nur für einen Tag. Davon hätten weder das Tier noch wir etwas. Das war meiner Tochter und mir schon lange klar; wir wollten niemals aus egoistischen Gründen unser Haustier unnötig leiden lassen.

Minka bekam die Spritze in den Armen meiner weinenden Tochter (mir liefen die Tränen auch nur so herunter) und durfte dort sanft entschlafen.
(Ich heule jetzt schon wieder…)

Die Tierärztin hat uns ein gebrauchtes Handtuch gegeben; sie hat Minka darauf gebettet, ihren Schwanz und ihre Pfoten an den Bauch geschoben und sie so in der Embryohaltung eingewickelt.
(Unansehnliche Handtücher und Decken nicht wegwerfen – Tierärzte und -heime sind dankbare Abnehmer!)

Ein kurzer Anruf… anderthalb Stunden später war Minka im Garten meiner Schwester beerdigt. Ich bin mir sicher, dass meine Nichte, ihre Freundinnen und mein Neffe noch ein Kreuz und Blumen aufs Katzengrab setzen werden…
Ich bin mir auch sicher, dass es Minka nun wieder gut geht.

Danke, Minka, von dir habe ich viel lernen dürfen.
In meinem Herzen wirst du weiterleben.

♥ Minka ♥
† Ruhe in Frieden †

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Dienstag, 24. Juli 2012 um 10:00 Uhr und wurde abgelegt unter "Minka". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

6 Kommentare

  1. gerhatd aus bayern:

    mein beileid

  2. isa:

    20 Jahre trotz Niereninsuffizienz, das ist schon unglaublich! Gise, du hast das so gut gemacht, auch wenn es schwer fällt und erst mal schmerzt sich endgültig verabschieden zu müssen. Unsere Nachbarkatze bekam immer wieder Infusionen. Sie litt sehr aber die Liebe der alten Dame zu ihrer Katze und die Haltung des Tierarztes zu seinem Geldbeutel ließ es lange nicht zu sie einschlafen zu lassen. Jetzt geht es Minka gut. Sie ist erlöst und lebt in deiner Erinnerung weiter.

  3. Gernot:

    Tut mir leid – behalte deine Minka in guter Erinnerung!

  4. Erika:

    Bin grad erst nach langer Zeit mal wieder hier auf Deiner Seite gelandet.
    Tut mir sehr leid, dass die Minka jetzt nicht mehr ist. Du hattest viel Freude mit ihr und in den letzten Jahren leider auch ab und zu Kummer, wenn es ihr schlecht ging.
    Ich kann ganz gut mit Dir fühlen. Als ich vor ein paar Jahren meinen Dackel einschläfern lassen musste, tat das auch sehr weh. Und auch jetzt noch mache ich mir ab und zu Gedanken drüber, ob es die richtige Entscheidung war. Er war auch schon steinalt.
    Gise, ich drück Dich in Gedanken. Heul los, wenn es Dir gut tut und die vielen schönen Erlebnisse mit Minka kann Dir auch der Tod nicht nehmen.

  5. roswitha:

    Hallo Gise
    tut mir leid für Dich, Dein Kätzchen ist jetzt
    erlöst und ohne Schmerzen.
    Deine neue Frisur gefällt mir gut an Dir, richtig
    jung und pfiffig schaust aus.lieben Gruß Roswitha

  6. minibar:

    Ach, liebe Gise,
    das war ein schwerer Weg. Mir stehen die Tränen in den Augen.
    Sie wird dir fehlen, deine Minka.
    Schön, dass deine Tochter dabei sein konnte.

    Viele liebe Grüße an dich
    Bärbel

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