Ehrlich
Ich möchte Euch heute einmal einen klitzekleinen Ausschnitt aus dem Mailverkehr mit einem lieben Freund zeigen:
Ich: “…ich hoffe sehr, dass Du zu mir eher ehrlich als höflich bist…”
Er: “mmh, ehrlich sein ist ja eine sache, aber man muss ja net alles sagen – zumal wenns den anderen traurig macht.”
Ich habe den Eindruck, dass gerade Männer eher dazu neigen, überhaupt nichts zu sagen, nur um angeblich dem oder vor allem der Anderen nicht weh zu tun.
In Wahrheit wollen sie meiner Meinung nach brenzligen Situationen nur aus dem Weg gehen.
Ich persönlich bin unbedingt für Offenheit und Ehrlichkeit. Aber mir wurde in letzter Zeit bewusst, dass auch ich in manchen Situationen meine Probleme mit der Ehrlichkeit habe.
Wie soll ich zum Beispiel mit Menschen umgehen, die hartnäckig meine Freundschaft suchen, ich diese aber nicht möchte? Wie erkläre ich solchen Leuten, dass ich mit deren Welt, ihrer “Aura” (ihre Art, alles negativ zu sehen und zu bewerten), ihrem Leben und Erleben nichts anfangen und vor allem nichts zu tun haben will?
Ich habe ganz viele Beispiele für ehrliche Gespräche mit mir, die das zwischenmenschliche Verhältnis verbessert haben und ich habe Beispiele, die zeigen, dass ehrlich gemeinte, aber verlogene Worte Freundschaften zerstört haben.
Wenn Euch diese Beispiele interessieren, teile ich sie Euch gerne mit.
Aber erst möchte ich Eure Meinung wissen:
Wie hältst Du es mit der Ehrlichkeit Deinen Partnern und Freunden gegenüber?
Sagst Du es, wenn Dich am Anderen ein bestimmtes Verhalten stört?
Sprichst Du es offen an, wenn ein Kollege ungeduscht oder ständig nach Zwiebeln, Knoblauch oder kaltem Zigarettenrauch riecht?
Gibt es etwas, was Du dem Anderen gerne sagen würdest, Dich aber nicht traust? Da gibt es bestimmt einiges, stimmt’s?
Doch warum traust Du Dich nicht?

Montag, 12. Dezember 2011 um 21:01
Gise das ist aber heute ein ernstes und heikles Thema. Einiges fällt mir auch dazu ein.
Man schweigt eben oft weil man denkt, den Anderen zu verletzen. Ich sage höchstens meinen allerbesten Freundinnen wenn sie unangenehm riechen oder meiner Schwester oder meinen Kindern. Bei unserem Hausmeister in der Schule mache ich immer das Fenster auf wenn er ein paar Minuten im Raum bleibt.
Freundschaften die ich nicht will pflege ich einfach nicht. Eine Frau hat mich als ihre Freundin auserkoren und schickt ständig sms, hat mir sogar ein Zeitungsabo geschenkt, das ich überhaupt nicht will. Das ist ein “hartnäckiger” Fall.
Einen Menschen gibt es, dem würde ich so gerne mal meine Meinung sagen. Aber das traue ich mich wirklich nicht weil ich weiß, dass er dann in ein Loch fällt. Deshalb schweige ich lieber.
Es freut mich, dass du hier wieder was geschrieben hast. Ich wünsche Dir eine schöne Woche und ehrliche Gespräche.
Griaßle von Erika
Dienstag, 13. Dezember 2011 um 11:00
Liebe Gise,
ich lese in großen Abständen bei Dir und ich freue mich (ehrlich!) *lächel*, wie Du Dein Leben meisterst.
Nun zu Deinem Thema: Wer ist heute schon ehrlich? Auf die Frage: Wie geht es Dir? folgt doch meistens ein “gut”. Will man doch oft den anderen nicht mit seinen Sorgen belasten. Wenn z.B. im Internet Bilder veröffentlicht werden, sagt kaum einer, dass es ihm nicht so gefällt. Also liest man allerorten “schön”. Es gäbe noch viele andere Beispiele.
Ich bin Ende 50 und sage eigentlich erst in den letzten Jahren, was ich denke. Es bringt einem aber nicht nur Freunde. Z.B. hab ich mich bei meiner Stiefschwiegertochter mal beschwert, dass sie mich per skype angeschrieben hat, dann aber ohne Gruß das Gespräch beendet hat (sie war zur Toilette gegangen). Ich saß wie blöd vorm Bildschirm und hab auf Antworten gewartet …
Ich habe das Gefühl, dass seitdem ihr Verhältnis zu mir unterkühlt ist.
Meiner Schwiegermutter habe ich vor 2 Wochen einen Brief geschrieben (persönlich konnte ich ihr das zu dem Zeitpunkt nicht sagen, ich war zu überrumpelt), weil sie die Grenzen der Höflichkeit und des Anstandes ständig überschreitet. Mal sehen, was daraus wird.
Trotzdem bin ich für Ehrlichkeit, schon um des inneren Friedens willen.
Herzliche Grüße von Marion
Mittwoch, 14. Dezember 2011 um 10:00
Ja, liebe Gise,
so ist das mit der Ehrlichkeit. Wenn jemand mit mir keinen Kontakt möchte, respektiere ich dies nach einem Gespräch wo dies auch formuliert wird.
Ich habe da seit längerer Zeit ein Problem mit meiner Schwester. Sie läßt sich am Telefon verleugnen, meldet sich überhaupt nicht und letzte Woche hab ich ihr einen Brief geschrieben und nachgefragt, was eigentlich los ist. Auf die Antwort bin ich wirklich gespannt.
Ich bin jemand, mit dem jedes Problem ehrlich besprochen werden kann.
Dir alles Liebe
Grüßle Rita
Donnerstag, 15. Dezember 2011 um 09:12
Hallo Gise,
was du da ansprichst, ist wirklich ein ernstes und heikles Thema.
Ich bin schon ein ehrlicher Mensch und sage auch frei heraus, was ich denke, fühle und was mich am anderen stört, wie z. B.
Mein ehemaliger Chef war Pfeifenraucher und hatte immer zwei unterschiedliche Tabaksorten. Der eine duftete immer so lecker süßlich, aber der andere roch, als wenn du alte Gummireifen verbrennst. Als ich den das erste Mal im Flur des Büros roch, bin ich schnurstracks in sein Büro und habe ihm gesagt, dass dieser Tabak stinken würde.
Zweites Beispiel: Seit einiger Zeit habe ich wieder sehr regen Mailkontakt mit einer Ex-Freundin meines Sohnes. Nach mehreren Mails habe ich sie darauf angesprochen, dass sie immer ohne Punkt und Komma, sowie ohne Zwischenräume schreibt und außerdem die Anrede und auch den Abschluss-Gruß vergisst.
Aber es gibt auch Momente, Menschen, Situationen, wo ich mich zurück halte und nichts sage, nur denke. Denn wie heißt es so schön im Sprichwort: Reden ist silber, schweigen ist Gold.
Liebe Grüße
menzeline