Kabisa Gise – Blog

ganz und gar Gise

2011
Samstag
3
Sep

Tränen der Rührung

Veröffentlicht von: Gise
um 09:03 Uhr
 

Immer wieder erlebe ich Momente, in denen ich spüre, dass man mich mag, dass man sich freut, mich zu sehen, dass man mir gern zuhört, egal wie groß der Stuss ist, den ich meine zu reden.

Gestern war wieder einmal so ein Abend. Ich bin mit meiner Tochter und ihrem Begleiter zu einer großen Square dance Veranstaltung gefahren, die dieses Wochenende in Herrenberg stattfindet (*winke@Erika). So viele Umarmungen, von Weitem ein freudiges “Giiiiiisseeeeeeeeeee!” mit anschließend stürmischer Umarmung, viel Reden, Albern, Lachen, Planen… Ein Square dancer zieht demnächst um und man hat überlegt, wie dabei meine Hilfe aussehen könnte. Man weiß ja, dass ich meine Hände prinzipiell nicht aus den Taschen nehme. :mrgreen: Ein Vorschlag war, dass ich den Antreiber der Umzugshelfer mache. Ich plädierte fürs Schmieren von Butterbroten. Daraus entwickelte sich die ernsthafte Idee, dass ich für die Meute Chilli kochen werde.

Mancher von Euch wird sich nun fragen, warum ich das erzähle. Ist es nicht normal, beliebt zu sein oder angebotene Mithilfe anzunehmen?

Nun, wer schon lange in meinem Blog mitliest, ahnt oder weiß, was dahinter steckt. Ich höre immer noch, wie meine Eltern mir, als ich 14 war, eindringlich erklärten, dass ich niemals einen Mann bekommen würde, dass überhaupt kein Mensch sich mit Behinderten abgeben wolle. Diese Erklärungen haben mich dann bis dato begleitet und geprägt. Um keine Bestätigung der elterlichen Aussagen zu erhalten, habe ich Menschen kaum an mich herangelassen. Ich saß meist stumm da und wartete ab – und blieb einsam. Aha, meine Eltern hatten Recht, war meine Schlussfolgerung.

Doch in letzter Zeit reifte in mir die Idee, dass ich aktiv werden muss und dass ich mich meinen Mitmenschen durchaus zumuten darf. Jetzt bin ich “da draußen” viel mehr präsent, ich bin laut und ich bin frech. Ich kann aber auch leise und ernst sein, eben je nach Situation.

Ich muss nur noch lernen, gegen mich gerichtete Kritik als scherzhaftes Geplänkel zu verstehen oder einfach zu ignorieren. Nur eins darf ich auf keinen Fall… mich verunsichert wieder in mein Schneckenhaus zurückziehen.

Heute Mittag geht es weiter… ich freue mich jetzt schon wie ein kleines Kind auf das Christkind auf viele lachende, scherzende, erzählende, tanzende, liebevolle Begegnungen, auf bekannte Gesichter und neue Kontakte.

Euch lieben Lesern wünsche ich einen rundum schönen Samstag! ;)
Ich bin glücklich, weil es Euch gibt!

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 3. September 2011 um 09:03 Uhr und wurde abgelegt unter "dies & das, Ich". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback senden von deiner eigenen Seite.

5 Kommentare

  1. Rita:

    ich umarm Dich mal liebevoll (wenn ich darf)

    Grüßle Rita

    Gise sagt: Du darfst. Danke! ;)

  2. Erika:

    Liebe Gise,
    eigentlich wollte ich Dich per Mail auf diese Veranstaltung aufmerksam machen. In der Tageszeitung hatte ich davon gelesen. Dann habe ich das aber nicht gemacht weil ich wusste, dass ich das ganze Wochenende verplant habe und überhaupt keine Zeit gehabt hätte, Dich zu sehen oder mit einem Kaffee oder Abendessen zu bewirten. Aber wir müssen uns trotzdem bald mal treffen. Ich hab doch noch das Fußband für Dich für Deinen Autoschlüssel.
    Viel Spaß beim Tanzen, ich bin gleich wieder unterwegs.
    Grüßle von Erika

    Gise sagt: Als Square dancer bekommt man jede noch so kleine Aktion mit. Dieses Fall Round Up ist neben drei weiteren Veranstaltungen ein Jamboree, zu denen sehr viele Gäste von weit her angereist kommen. An den vier Jamboree-Wochenenden findet im Umkreis von 100km keine andere Square dance Veranstaltung statt… meine ich zu wissen.

    Da das Jamboree jedesmal in einer anderen Region stattfindet – meistens in der nördlichen Gegend Deutschlands – ist es selbstredend, dass ich nach Herrenberg gefahren bin. So konnte ich an allen drei Tagen tanzen und Spaß haben und dennoch in meinem eigenen Bett schlafen.

    Erika, Du hättest gerne in der Halle vorbeischauen können. Wir sind keine geschlossene Gesellschaft. ;) Aber Du schriebst ja, dass Dein Wochenende ausgebucht war…

    Ja, wir müssen uns unbedingt mal wiedersehen. Wer traut sich zuerst, bei der Anderen anzurufen? :lol:

  3. Erika:

    Soeben habe ich entdeckt, dass auf
    http://www.gaeubote.de
    eine Bildergalerie mit 39 Bildern ist. Leider konnte ich Dich nicht entdecken :razz:

    Gise sagt: Da waren einige Fotografen unterwegs und einer hat fotografiert, als auch ich mal getanzt habe, aber von ihm habe ich jetzt noch keine Bilder im Netz entdeckt.

    Ich habe eh relativ wenig getanzt, weil es mir in der Halle einfach zu heiß war. Was mussten die Organisatoren auch einen Zahlendreher machen bei der Bestellung des Wetters?! 23°C und leicht windig wäre angenehmer gewesen statt 32°C und windstill.

  4. isa:

    Hej, das hoerst sich extrem gut an :grin:

    Gise sagt: Gell? :lol:

  5. Viola:

    “Gegen Dich gerichtete Kritik als scherzhaftes Geplänkel hinnehmen” ?
    Liebe Gise, ich bin sicher, Du hast Dich da nur in der Ausdrucksweise vergriffen, will aber dennoch kurz was dazu sagen.
    Es gibt durchaus Menschen, die, so sie Kritik äussern, es damit ganz ernst meinen und das tun, weil sie Dich mögen. Kritik kann nämlich objektiv betrachtet, die Sichtweise verändern und das ist nicht immer schlecht.
    Es könnte durchaus passieren, dass das Gegenüber sich komplett zurück zieht, wenn er bemerkt, dass er nicht ernst genommen wird.
    Und manchmal ist das sehr schade, denn jeder zwischenmenschliche Austausch macht uns reicher an Erfahrung.
    Wir werden ja erst im Laufe unseres Lebens richtig Mensch, wenn das körperlich Wachstum beendet ist, wächst der Geist und die Seele weiter…bis dass der Tod uns …..Du weisst schon.
    Dir viel Spass!

    Gise sagt: Liebe Viola,

    so ist es immer, wenn man sich nur allgemein und oberflächlich ausdrückt – jeder liest dann etwas anderes heraus. Deshalb will ich mal versuchen, es hier genauer zu erklären.

    Ein Beispiel: Eine ganz liebe Bekannte (Freundin?) beschwert sich bei ihren “Leuten”: “…und ICH darf dann Gises Taschen von Laden zu Laden tragen…” So ohne Zusammenhang würde ich ein schlechtes Gewissen bekommen und dieser Frau aus dem Weg gehen. Aber sie lädt mich nach wie vor gerne zu sich ein, von daher weiß ich, dass dies nur Geplänkel von ihr ist.

    Standardsprüche, die ich in meinem Freundeskreis immer wieder höre: “Jetzt tu mal deine Hände aus den Taschen raus und packe mit an!” “Hast mal wieder deine Füße aufm Tisch.” Ich stehe darüber, meine Antwort ist: “Ich habe ganz schlechte Manieren, denn ich gebe zur Begrüßung nie die Hand und ich habe immer die Füße aufm Tisch – aber dennoch mag man mich.” :lol:

    Mein Problem ist, dass ich immer Angst habe aufdringlich zu sein. In meinem Kopf weiß ich zwar, dass, würde mich jemand aufdringlich finden, das SEIN Problem ist, aber dennoch achte ich sehr auf Zeichen des Unwillens, um mich dann sofort zurückzuziehen. Dabei spüre ich durchaus den Unterschied, ob jemand mich grundsätzlich nicht leiden mag oder ob ich jetzt nur in ein Fettnäpfchen getreten bin. Leider übertrage ich diesen kurzen und situationsbezogenen Unwillen auf mein gesamtes Ich – und ziehe mich zurück, um nicht noch mehr Schaden anzurichten.

    Meine neueste Strategie ist nun, den Menschen, sofern er mir wichtig ist, anzusprechen, um mich zu entschuldigen, doch oft kommt dann ein: “Hey, das war doch nurn Scherz!”

    Wie gesagt weiß ich im Kopf, dass ich einfach so bin wie ich bin und dass ich trotzdem – oder gerade weil! – gerne gesehen bin. Jetzt muss sich dieses Wissen nur noch als sicheres Gefühl in meinem Bauch breit machen…

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