Sonntag
Gestern hatten wir ja traumhaftes Wetter, das ich leider nicht so genießen konnte wie ich wollte. Ich habe erst einmal den halben Tag damit verbracht, endlich die Katze von den Stühlen zu bürsten und saugen. Um meinen Esstisch herum stehen vier gepolsterte Stühle. Einen davon hat Minka sich als Schlafplatz auserkoren und der ist zentimeterdick mit ihren Haaren bedeckt. (Ich gebe zu, dass ich nicht sehr oft staubsauge und putze. Minka fürchtet sich vor dem Staubsauger und ich mag so eine alte Dame nicht unnötig oft erschrecken.
) Aber auch auf den anderen drei Stühlen liegt genügend Fell, dass man daraus eine komplette Katze stricken könnte.
Am Nachmittag habe ich meine Nichte Mbolle abgeholt, die ihre Herbstferien bei mir verbringen wird. Zwei wundervolle Wochen lang! Ja, da oben im Norden der Republik sind jetzt Herbstferien.
Langjährige Leser kennen Mbolle aus früheren Erzählungen. Ich habe sie in ihrer Kindergartenzeit fast täglich gehütet, doch vor knapp zwei Jahren ist sie aus dem Schwabenland weggezogen. Um so mehr freue ich mich, wenn sie mich besuchen kommt.
Mbolle und ich haben gestern ihr Gepäck erst einmal in meinem Auto verstaut und sind dann in den Schlossgarten gegangen. Dort, wo die Parkschützer ihre Zelte unter und in den Bäumen aufgeschlagen haben. Mbolle kennt die Aktionen aus den Nachrichten, aber die Szenerie so hautnah mitzuerleben hat sie sehr ins Grübeln gebracht. Ihre Frage war, warum die Baumschützer Papier verwenden und abends mit Holz feuern. Schlau mitgedacht, gell!?
Im Schlossgarten sind ja nicht nur die vom Fällen bedrohten Bäume, sondern dort steht der Landespavillion, wo den Sommer über jeden Sonntag Abend eine Party steigt. Dort treffen sich hauptsächlich Afrikaner und Deutsche und dorthin wollte Mbolle gehen.
Im Schlossgarten waren viele Menschen unterwegs, wohl das herrliche Wetter ausnutzend und wohl auch, um sich das Drama um das Projekt Stuttgart 21 aus der Nähe anzuschauen. Einer der Flanierenden war mein Exfreund, mit dem ich bis vor vier Jahren dreieinhalb Jahre lang zusammen war. Nein, die Trennung von ihm habe ich immer noch nicht verarbeitet, denn es tat weh, ihn Hand in Hand mit der “Neuen” zu sehen. Die beiden sind jetzt etwas länger als dreieinhalb Jahre zusammen – wenn es noch die ist, mit der er kurz nach unserer Trennung zusammenkam.
Er hat mich gesehen, hat aber schnell wieder weggeschaut. Mbolle hat ihn erkannt, ihn begrüßt, er hat den Gruß erwidert – und ist schnell weitergegangen.
Es tut weh, zu sehen, dass man austauschbar ist. Viel mehr weh tut die Vorstellung, dass er mit ihr vielleicht glücklicher ist als er es mit mir war. Warum geht er mir aus dem Weg? Hat er etwas zu verbergen?
Wie auch immer, ich habe keine Zeit für Grübeleien über Vergangenes. Mbolle ist jetzt bei mir und wir wollen die Zeit hier in Stuttgart gut nutzen. Heute scheint wieder die Sonne. Also nix wie hinaus mit uns!

Montag, 11. Oktober 2010 um 11:44
Grüße deine Nichte herzlich von mir!
Genießt das schöne Wetter und macht viele tolle Fotos …
Gise sagt: Habe Grüße ausgerichtet… Mbolle erinnert sich noch an Dich!
Foddos kommad no!
Montag, 11. Oktober 2010 um 18:59
Ach KabisaGise sei nicht traurig und vergleiche dich nicht mit anderen Weibern. Das lohnt nicht! Hoffentlich habt ihr beiden Maedels nun lange schoene Herbstferien und viel Spass miteinander.
Ich habe mich so fuer dich gefreut, als ich las dass deine Nichte zu Besuch kommen kann.
Gise sagt: Keine Sorge, Isa, heute ist es mir schon wieder egal(er). Manche wissen eben das Gute (= MICH
) nicht zu schätzen!
Und ob wir Spass miteinander haben!