Freundschaft
Im Kindergartenalter fangen wir an, erste Freundschaften zu knüpfen. Aber sie sind noch recht brüchig: “Du bist nicht mehr mein/e Freund/in, dich lade ich nicht zu meinem Geburtstag ein.”
Ich war nie im Kindergarten, also habe ich diese On- und Off-Freundschaften nicht kennen gelernt.
Aber in der Grundschule hatte ich eine feste Freundin. Doch leider ist diese Freundschaft zerbrochen, als das Mädchen in eine weiterführende Schule kam.
Freundinnen hatte ich immer wieder, aber ich habe nie so richtig über den Begriff “Freundschaft” nachgedacht. Nur eins glaubte ich zu wissen: eine richtig feste Freundin hatte ich nicht. Ich spüre noch heute die damalige Sehnsucht nach einer Freundin, die meine Seele berühre, die mit mir durch dick und dünn ginge, mit der ich alle meine intimsten Geheimnisse teilen könne.
Dann lernte ich kurz vor meiner Volljährigkeit in einer Diskothek ein gleichaltriges Mädchen kennen. Ich war immer für sie da, tröstete sie, wenn sie wieder einmal Liebeskummer hatte und… ja, sie nannte mich irgendwann “ihre beste Freundin”. Eines Tages traf ich diese “beste Freundin” Hand in Hand und total verliebt mit meinem damaligen Freund an. Seitdem habe ich das Wort “Freundin” aus meinem Wortschatz gestrichen. Es gab immer wieder Mädchen, die mich als ihre Freundin bezeichneten, aber ich ließ keine mehr an mich heran. Ich hörte mir alle ihre Sorgen und Geheimnisse an, aber meine Probleme machte ich nur noch mit mir selbst aus.
Später lernte ich meinen jetzigen Exmann kennen, der einige Zeit lang meine “beste Freundin” war. Als aber meine Eheprobleme begannen, hatte ich plötzlich niemanden zum Reden, denn mit dem Zusammenkommen mit meinem Exmann habe ich Freundschaften komplett vernachlässigt. Das war ein großer Fehler. Anstatt mich jemandem anzuvertrauen, bekam ich Depressionen. Nein, nicht allein wegen meinem Exmann, es kamen noch einige andere Dinge auf mich zu, die mich vor scheinbar unlösbare Konflikte stellten.
Zum Glück habe ich wenigstens eine Beratungsstelle aufgesucht. Dort haben wir auch über Freundschaften gesprochen. Und über Mauern, die keine Freundschaften zulassen wollen.
Diese Beratungen waren für mich sehr hilfreich und ich lernte, mich wieder auf Freundschaften zu Frauen einzulassen. Wieder gab es Frauen, die mich als ihre Freundin sahen, aber ich blieb weiterhin auf Distanz. Aber ich habe angefangen zu beobachten und zu analysieren. Und ich überlege mir immer wieder aufs Neue, was für mich eine Freundschaft ausmacht und welche Anforderungen ich an eine Freundin oder einen Freund stelle.
Hier möchte ich meine Ausführungen erst einmal abbrechen.
Von Euch möchte ich gerne wissen:
- Wie definiert Ihr Freundschaft?
- Welche Voraussetzungen muß eine Person erfüllen, um Euer Freund/Eure Freundin sein zu dürfen?
- Was muß passieren, um eine Freundschaft zu kündigen?
Schreibt mir doch bitte Eure Meinungen zu und Erfahrungen mit Freundschaften. Ich bin gespannt…

Freitag, 25. April 2008 um 10:12
Moin Gise
Meine Antworten in der Kürze:
1. Wie definiert Ihr Freundschaft?
Erst brauchts Sympathie
Freundschaft braucht dann einige Jahre um sich auszuwachsen und muss genährt werden um bestehen zu können. Eine sogenannte beste Freundin/bester Freund wird meist jemand, der auch im Alltag präsent sein kann. Auf jeden Fall ist es nie der/die Lebenspartner/in (allein). Gute Freundschaften leben ein relativ verläßliches Miteinander ohne sich einzuengen.
2. Welche Voraussetzungen muß eine Person erfüllen, um Euer Freund/Eure Freundin sein zu dürfen?
Es muss sich Vertrauen entwickeln, die Person muss sich also zeigen können. Sie muss Zeit haben, die sie gerne mit mir teilt und sie muss Grenzen akzeptieren.
3. Was muß passieren, um eine Freundschaft zu kündigen?
Ich habe viele Freundschaften gelebt, für die Zeit die es dauerte, aber noch nie eine aufgekündigt. Was nicht mehr passt lebt sich auseinander, oder es entsteht eine andere Qualität von Freundschaft, wenn man z.B. aus Berufsgründen weit auseinander zieht.
Freitag, 25. April 2008 um 11:50
Liebe Gise!
Ja, das Thema Freundschaft heute… , das ist ein Thema das auch mich schon sehr beschäftigt hat. Im letzten Jahr hat mir eine langjährige Freundin plötzlich und unvermittelt ihre Freundschaft gekündigt, weil wir nach ihrem Empfinden keine Gemeinsamkeiten mehr hatten. Ich hatte auch bei den letzten Treffen gespürt, das irgendetwas nicht stimmte, aber dieser Brief traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Ich habe dann, bevor ich ihr geantwortet habe, einige Tage über alles nachgespürt und nachgedacht. Dann habe ich ganz deutlich gefühlt, dass Freundschaft für mich etwas Bleibendes ist, es ist etwas in meinem Herzen gewachsen,, das nicht mehr wegzulöschen geht.
Das ahbe ich ihr auch geschrieben, dass ich ihren Entschluss akzeptier und respektiere, aber dass ich auf “meiner Seite” die Türe, die sie nun geschlossen hat, nicht verriegeln werde, sie wird immer einen Platz in meinem Herzen haben. Es ist dann ein halbes Jahr später etwss geschehen, womit ich nicht gerechnet habe, sie hat die Tür wieder geöffnet.
Dann noch ein Erlebnis zu diesem Thema, das mich sehr geprägt hat.
Es ist schon sehr lange her, aber zu der Zeit hatte ich auch eine sehr gute Freundin, mit der ich ganz viel Zeit verbracht habe, mit der ich eigentlich auch über alles gesprochen habe, und auch sie hat sich mir ihr Innerstes anvertraut. Dann ist auch hier etwas geschehen, mit dem ich niemals gerechnet hatte, sie hat nämlich, und das sogar für mich hörbar, ein Geheimnis über mich ausgeplaudert, bei zwei Frauen, die wir beide kannten. Das hat mich damals so tief verletzt, dass ich ihr die Freundschaft gekündigt habe. Aber ich habe es stillschweigend getan, nicht mit ihr darüber geredet. Ich konnte es einfach nicht. Dann einige Jahre später ist diese Frau verstorben. Dann aht es noch mal einige jahre gedauert, bis eines Tages ganz plötzlich, auch wie aus heiterem Himmel, bei mir eine Erkenntnis da war: Ich sah das alles plötzlich ganz klar, und mir wurde sehr schmerzlich bewusst, was mein Anteil an dieser Geschichte war:
Ich war verletzt und habe nur meinen Schmerz gesehen, nur das für mich Negative, alle schönen Studen, alles Gute, was ich mit dieser Freundin erleben durfte war plötzlich nichtig für mich.
Ich habe nur diesen einen Fehler gesehen, aber alles andere nicht! Dann wurde mir bewusst, was Freundschaft ist: Dem Guten ( man könnte auch sagen: Gott) im anderen Menschen begegnen, und daraus Kraft und Freude und Liebe schöpfen dürfen. Aber es gbt in mir in dir, in jedem Menschen auch die andere Seite, diese dürfen wir in einer Freundschaft lernen auszuhalten. Aber das alles hat mich weiter auf dem Weg gebracht, mich selber lieben zu lernen, mich selber so anzuschauen wie ich bin, mit allen Ecken und Kanten und zu spüren, ich bin liebenswert, weil ich geliebt bin von Gott.
So empfinde ich es ganz tief in meinem Herzen, und dafür bin ich unendlich dankbar!
Mit herzlichen Grüßen:
Beate
Freitag, 25. April 2008 um 21:03
Mir geht es ähnlich wie Dir. Immer gegeben, zugehört, gemacht, getan um dann am Ende doch enttäuscht zu werden.
Die mich beste Freundin nannte, gönnte mir meinen Freund nicht (mit dem ich immer noch zusammen bin), da ich dann ihr nicht mehr den Rücken frei halten konnte, damit jemand für die Kinder da war, wenn sie und ihr Mann auf den Swutsch gingen.
Auch jetzt wieder ist ein “Freundschaft” zu Bruch gegangen – ich weiß noch nicht mal warum.
Ich habe durch eine andere Geschichte in meinem Leben Depressionen bekommen, die aber anscheinend noch nicht schlimm genug sind, das sie behandelt werden könnten (O-Ton der Krankenkasse).
Ich lasse aus den gemachten Erfahrungen heraus niemanden mehr an mich ran – was mir einerseits weh tut, andererseits schützt.
Es ist ein Teufelskreis
LG
Birgit
Samstag, 26. April 2008 um 07:43
Meine zwei besten Freundinen heißen Fritz und Klaus….. und enttäuscht haben sie mich noch nie …. in über 20 Jahren nicht…
Aber auch lose Freundschaften sind wichtig… Menschen, dnen man immer wieder gerne begenet… auf die man sich freut…. mit denen man eine gute Zeit verbringt…. die Anregungen geben…
Es gibt wohl viele Arten von Freundschaften …. verschiedene Freunde können verschiedene Bedürfnisse abdecken. So geh ich mit dem einen lieber feiern… und mit den andern kann man besser klönen….
Hey Gise…. und auf eine wunderschöne leichte Art fühle ich mich auch Dir freundschaftlich verbunden
:):)
Samstag, 26. April 2008 um 14:18
Liebe Gise,
ich habe 3 Freundinnen (eine seit 35 Jahren, eine seit 25 Jahren und die andere seit 20 Jahren), die sehr unterschiedlich sind, aber immer wenn wir Kontakt haben, ist es so, als würden wir uns täglich sehen. Leider wohnen sie nicht in meiner Stadt und so wird mehr miteinander telefoniert, als daß man sich sieht.
Vor ein paar Jahren habe ich dann mal zwei Frauen in meiner Stadt kennengelernt, die auch in meinem Alter sind und einige Interessen mit mir teilten. Wir unternahmen viel gemeinsam und es entwickelte sich eine Freundschaft. Diese habe ich leider beiden schriftlich gekündigt. Persönlich hätte ich das nicht machen können. Der Grund: Die eine war wie eine Klette und fing an zu “heulen”, wenn ich auch mal etwas ohne sie unternehmen wollte. Das habe ich nicht mehr ertragen können. Die andere fing irgendwann an und analysierte jeden Satz, so mochte man gar nichts mehr sagen. Auch das war für mich nicht mehr erträglich. Eine Freundschaft kann ihre guten sowie schlechten Zeiten beinhalten, wie in einer Beziehung. Wenn man aber belogen, hintergangen und eingeengt wird, man nicht mehr *ich selbst* sein kann, dann sollte man sich trennen. Wie heißt es so schön: Seine Familie kann man nicht aussuchen, aber die Freunde.
Liebe Grüsse
Sonntag, 27. April 2008 um 00:28
Freundinnen hab ich genau 2….die eine seit 35 Jahren, die andere seit 26 Jahren….bis vor ca. 3 Jahren hatte ich noch eine dritte Freundin; bis sich herausstellte, dass sie mehr Freundin zu meinem Ex war….Freundinnen müssen sich nicht ständig sehen; es reicht zu wissen, dass sie da sind, wenn man sie braucht….und da zu sein, wenn sie einen brauchen…..Freundinnen nerven nicht mit Nichtigkeiten….müssen nicht ständig telefonieren….Freundinnen rufen an, wenn Kind im Schullandheim ist um zu sagen; hey, komm vorbei und schlaf bei mir, ich hab sturmfrei….Freundinnen erwarten nicht, dass man zu ihrem Geburtstag erscheint, weil man selbst eh nicht wirklich Lust auf viel Besuch hat….Freundinnen wissen, wenn es einem schlecht geht, von ganz allein, von zu Hause aus und schreiben eine sms mit einem Gruß….Freundinnen fahren zu Freundinnen und wohnen dort, um sich um deren Kind zu kümmern, wenn sie ins Krankenhaus muss….Eine Freundin ist durch nichts zu ersetzen…..auch nicht durch einen Ehemann….
Sonntag, 27. April 2008 um 10:15
* Wie definiert Ihr Freundschaft?
Wie definiere ich Freundschaft?? Hmmmm… Freundschaft heisst für mich füreinander da zu sein. Aber es darf nicht einseitig sein. Wenn der andere scheisse baut, dann sollte man ihm auch durchaus nochmal eine Chance geben. Freundschaft sollte auch immer Wahrheit sein. Man darf dem anderen nichts vorspielen. Wenn einem etwas nicht passt, dann sollte man es auch sagen können.
Ansonsten bedeutet Freundschaft für mich: durch dick und dünn gehen, gemeinsam Sachen erleben und die Welt entdecken, lachen, weinen, sich wohlfühlen.
Ich kenne den Großteil meiner Freunde aus dem Kindergarten, Grundschule. Und halt hier aus unserem Stadtteil. Und wir hängen oft zusammen ab, können über vieles reden, aber auch Blödsinn machen und ja, ich würde schon sagen: wir halten sehr zusammen
* Welche Voraussetzungen muß eine Person erfüllen, um Euer Freund/Eure Freundin sein zu dürfen?
Ich muss der Person Vertrauen können, muss mit ihr über vieles reden können, sie darf nicht gleichgültig oder oberflächlich sein. Wenn sie es geschafft hat, mein Herz zu erobern… ja dann kommt die Person da auch nie mehr heraus
* Was muß passieren, um eine Freundschaft zu kündigen?
Wenn ich so dermaßen enttäuscht werde, dann könnte es wohl passieren… ich angelogen werde, hintergangen werde. Wenn ich merke, die Freundschaft ist falsch… die Person ist falsch, meint es nicht gut mit mir…
Ich wünsche dir von Herzen nur ehrliche, fest zu dir stehende Freunde.
Liebe Grüße
Florian
Montag, 28. April 2008 um 11:59
Liebe Gise
Das ist ein sehr serh interessantes Thema….jedoch habe ich im Moment nicht die gedanktliche “Freiheit”, darüber zu philosophieren, da ich “meine” Kräfte irgendwie erhalten muss…..
Ich darf Dich herzlich bitten, etwas zuzuwarten und mich ggfs. nochmal an meine Gedanken und Erlebnisse zu diesem Thema zu erinnern…
Liebe Grüsse
Deine Brigida
Dienstag, 29. April 2008 um 15:14
Freunde …
sind keine Berge *zwinker* sondern mir sympathische Menschen, die meinen Lebensweg kreuzen, ein wenig mit mir gehen oder die ich gerne begleite, auch falls mich das etwas meiner Zeit kostet oder für mich einen Umweg bedeutet. Es darf passieren, dass sie mich sogar anregen, mich nach neuen Zielen zu orientieren.
Zum gemeinsamen Weg gehören schweigen-reden-zuhören, genießen-mitleiden, weinen-trösten, wünschen-schenken, vorwärts schreiten-pausieren, gegenseitiges Lasten-tragen und Vorräte-teilen, sowie stets Freiwilligkeit bei allem Tun. Bei jeder Weggabelung besteht die Möglichkeit, dass sich unsere Wege trennen … (da capo).
Es gab auch bei mir Zeiten, in denen ich hinter jeder Biegung eine Räuberbande vermutete, die mich hereinlegen und bestehlen wollte, bei der ich sogar um meine Gesundheit und mein Leben fürchten musste. Bis ich begriff, dass mein Weg in mir jeden Augenblick neu entsteht und nur das real wird, was ich mir zu leben erlaube.
Bin gespannt, wer mir bei der nächsten Kreuzung begegnet … falls ich offen bin und dasjenige dies möchte