Bloggen oder aufhören?
Lange ist’s her, seit meinem letzten Eintrag. Dieses Jahr habe ich noch gar nichts gebloggt. Dabei ist das Jahr auch schon drei Wochen alt.
Ihr Lieben, ich danke Euch für Eure Treue. Wir haben miteinander schöne Momente genossen, aber auch traurige. Ich habe Euch viele Bilder gezeigt und Ihr durftet in meinen Adventskalendern blättern. Einmalig war der Fasten-Ka(r)lender.
Schon länger mache ich mir Gedanken über die Bloggerei. Was darf ich der Öffentlichkeit erzählen, was nicht?
Als ich mein erstes Blog anfing – das war vor knapp acht Jahren – habe ich mir ALLES von der Seele geschrieben. Ich habe manchmal auch über Menschen in meinem Umfeld erzählt. Ihr habt von den Misshandlungen erfahren, die ich von meiner Mutter ertragen musste. Ihr durftet an der positiven Entwicklung meiner Kinder teilhaben. Und ich habe Euch oft auf meine Ausflüge und Reisen mitgenommen.
Irgendwann kam mir die Idee, was denn wäre, wenn jemand aus meiner Nachbarschaft oder die Familie meiner letzten Beziehung zufällig auf mein Blog stieße? Über die Mutter meines letzten Freundes habe ich ja nicht gerade nett geschrieben. Von da an wurden meine Einträge immer weniger.
Doch seit ich arbeite, habe ich sehr große Hemmungen, über mich und aus meinem Leben zu erzählen. In den Kindergärten erzähle ich so gut wie nichts über mein Privatleben. Weder die beiden Kindergartenleiter, noch die Erzieherinnen, geschweige denn die Leute vom Amt, das für die Auszahlung meines Honorars zuständig ist, wissen, was ich in meiner Freizeit mache und treibe. Ich trenne Arbeitsleben und Freizeit. Doch hier im Blog kommen die beiden Bereiche zusammen. Und das möchte ich nicht. Deshalb gibt es hier nicht mehr so oft etwas zu lesen.
Es gäbe ja noch die Möglichkeit, mein Blog mit einem Passwort zu belegen. Beiträge über Ausflüge, meine Katze oder einfach Bilder, die ich Euch zeigen möchte, wären für die Öffentlichkeit zugänglich, aber persönliche Dinge könnte man nur lesen, wenn man mein Passwort wüsste. Aber dann werde ich zum Türsteher: “Du darfst rein – du kommst hier net rein”. Es könnten mich Leute nach dem Passwort fragen, mit denen ich Persönliches eher nicht teilen wollen würde. Wie schließe ich sie taktvoll aus?
Und wie bewege ich diejenigen dazu, mich nach meinem Passwort zu fragen, die es nicht tun, die mir aber in meinem Leben wichtig sind?
Außerdem war die Hauptidee fürs Bloggen, den Menschen da draußen zu zeigen, dass ich zwar als behindert gelte, aber dass ich letztendlich ein ganz normales Leben mit all seinen Höhen und Tiefen führe. Ich wollte meinen Überlebensdrang, meine Lebensfreude kund tun, ich wollte jedem die Chance geben, an meiner positiven Sichtweise der Dinge teil zu haben. Mit einem Passwort schließe ich erst einmal alle aus, die über Google oder über andere Webseiten auf mein Blog gelangen.
So lange ich keine für mich befriedigende Lösung gefunden habe, wird es in diesem Blog weiterhin sehr still sein.
Ihr habt ja Möglichkeiten, mit mir weiterhin in Kontakt zu bleiben. Per Telefon oder per eMail. Die eAdresse steht auf der Kontaktformularseite.
Nur Facebook bleibt tabu. Dort habe ich ganz wenige Freunde. Und sie sind meine Freunde, mit denen ich auch außerhalb des Internets persönlichen Kontakt pflege. Auf Facebook mag ich nicht mit Leuten befreundet sein, die nur ihre Freundesliste anwachsen sehen wollen… “Die ist bekannt mit dem, der mit der Cousine des Freundes meines Freundes bekannt ist, also soll sie auch in meiner Liste stehen.” Nee, sowas mag ich nicht. Ich fühle mich in einer kleinen und überschaubaren Gruppe wohl und da ist im Internet das Facebook ganz gut dafür geeignet…
Ihr Lieben, ich würde Euch gerne so vieles erzählen, aber was mache ich mit denen, die es für mein Empfinden nichts angeht?
Gemütlich
Nachdem meine Stimmung also wieder besser wurde, habe ich einfach mal angefangen, dem Chaos im Wohnzimmer Herr zu werden. Unter einem Berg von Post, Altpapier und einigem mehr habe ich doch tatsächlich einen Tisch gefunden!
Während des Aufräumens trudelten immer wieder SMSse von lieben Freunden ein.
Der Tag wurde immer besser!
Und dann kam am Nachmittag meine Tochter und krempelte sofort ihre Ärmel hoch.
Sie…
… setzte Kartoffeln für den Kartoffelsalat auf.
… schmolz Schokolade und rührte sie in die Schlagsahne.
… räumte und saugte im Wohnzimmer in Ecken, in denen sich schon seit Monaten nicht nur Staub, sondern auch “Gruschd” (Zeugs) angesammelt hat.
… räumte die beiden Fensterbänke leer. (Wir sind immer noch im Wohnzimmer!) Ich wusste gar nicht, wie leicht es war, Nippes einfach so in den Müll zu werfen! ![]()
… tat sämtliche Bistro-Gardinen in meiner Wohnung in die Waschmaschine.
… putzte die Fenster im Wohnzimmer. Boaaah, jetzt erst fiel mir auf, wie sehr sie verschmutzt waren!
… hing alle Gardinen wieder ans Fenster.
… befreite alle vier Essstühle, die gepolstert sind, von Katzenrückständen.
… wischte das Wohnzimmer und den Flur nass heraus.
… machte den Kartoffelsalat.
Als meine Tochter im Wohnzimmer loslegte, wusste ich, jetzt macht sie es gründlich, doch ich ließ sie gewähren. Wir hatten ja keinen Zeitplan und wen juckt es, wenn wir erst um Mitternacht essen sollten und dann Bescherung hätten?
Nein, Mitternacht wurde es nicht. Um 20:30 Uhr waren das Wohnzimmer sauber und das Essen fertig. Jetzt fehlte nur noch mein Sohn, doch eine halbe Stunde später war er endlich da.
Mit vielen Kerzen im ansonsten dunklen Zimmer kam richtig festliche Stimmung auf.
Zum Essen gibt es immer, was es schon in den Familien meiner Eltern und Schwiegereltern gab: erst eine einfache Bohnensuppe, dann Kartoffelsalat mit Saitenwürstchen (Wiener Würstchen). Ich mache immer noch einen Gurkensalat dazu, manchmal auch noch irgend einen Blattsalat. Heute war es nur Gurkensalat.
Da meine Kinder meinen Kartoffelsalat, nämlich mit Mayonnaise angemacht, nicht mögen, ist meine Tochter für die Zubereitung des Kartoffelsalats zuständig.
Als Nachtisch gibt es bei uns Mousse au Chocolat. Dazu wird Milka Alpenmilchschokolade im heißen Wasserbad geschmolzen und dann mit Schlagsahne verrührt.
Wir nehmen so viele Tafeln Schokolade wie Becher Schlagsahne.
Dann wird das Ganze kalt gestellt.
Am Abend wird das dann wie Schlagsahne geschlagen.
Die Bescherung war für alle überraschend, zufriedenstellend, freudig.
An dieser Stelle “Danke!” nach Butzbach für die Äpfel.
Und “Danke!” ins Gäu für das Schweißband! Sobald mein derzeitiges verratzt ist, werde ich das neue verwenden. Bist Du Dir sicher, dass es bis dahin in meinem Haushalt nicht verloren gegangen sein wird?
Meine Kinder sind jetzt wieder fort.
Und ich bin müde.
Vom Brand… vom Apfelbrand…
Stimmungsaufheller
Die am meisten ersehnten Grüße habe ich nun endlich erhalten!
Heiligabend
Ich bin nicht in Weihnachtsstimmung. Nein, ü-ber-haupt nicht!
Der Schnee, der am Dienstag massenhaft herunterkam, ist wieder komplett weggeschmolzen. Der Himmel ist grau.
Meine Kinder zeigen sich nicht.
Hier in der Wohnung sieht es zum Davonlaufen aus.
Keiner schreibt mir eine SMS oder schickt mir eine eMail.
Ich habe noch ein kleines bisschen Schnupfen (am Dienstag bin ich mit einer Wahnsinnserkältung aufgewacht, am Mittwoch konnte ich nicht mal mehr zur Arbeit gehen), dafür huste ich mir seit gestern die Lunge ausm Leib.
Davonlaufen… das gefällt mir jetzt. Aber meine Kinder verlassen sich wie jedes Jahr darauf, dass ihre Mama es bis heute Abend hier sauber und gemütlich aussehen lässt. Außerdem denke ich, dass meine Tochter bestimmt noch auftauchen wird, um nass herauszuwischen.
Die Sonne schiebt sich gerade durch die Wolkendecke.
Es gibt noch einen Lichtblick: sowohl aus Butzbach als auch aus dem Gäu liegt hier Post, die ich erst heute Abend mit meinen Kindern unter dem nicht vorhandenen Christbaum öffnen werde.
Euch und all denen, die Euch lieb sind, wünsche ich ein besinnliches Weihnachtsfest und frohe Feiertage!
Falsch gekleidet?
Am Samstag waren die Besucher des Technoclubs aufgerufen, in Jogginghosen zu erscheinen. Den DJ des Clubs kennt man nur in grauen, schlabberigen Jogginghosen.
Jedem Clubbesucher, der am Samstag in Jogginghosen erscheinen würde, hat man ein Dosenbier versprochen. Diesen Gag machte ich natürlich mit, obwohl meine beiden Technofreunde ankündigten, wie immer angezogen zu sein.
Samstag spätabends stand ich an der Bushaltestelle. In der Jogginghose. Ein merkwürdiges Gefühl. Zum Glück wartete ich allein auf den Bus. Ich war auch der einzige Fahrgast und dem Fahrer schien es egal gewesen zu sein, was ich anhatte.
In der U-Bahn kam ich mir dann noch blöder vor. Obwohl mich niemand schief anschaute, hatte ich dennoch das Gefühl, Fasching irgendwie verpeilt zu haben.
Beim Club angekommen hatte ich sehr stark das Gefühl, mich mit meinem Outfit zu blamieren. Eine Warteschlange von Clubgästen gab es nicht und die wenigen, die in den Club hineingehen wollten, hatten Jeans an. Genauso die Türsteher und die Mädels an der Kasse. Oh mein Gott, war die Aufforderung auf Facebook, in Jogginghosen zu kommen nur Verarsche? Was nun? Schnell wieder nach Hause fahren und voller Scham ins Bett verkriechen?
Nein! Ich beschloss, so zu tun, als ob es für mich das Normalste der Welt wäre, in einer mir viel zu weiten Jogginghose herumzulaufen. Dass der Aufruf doch ernst gemeint war, merkte ich, als der Türsteher mir eine Dose Bier in meine Tasche steckte.
Zum Glück war ich nicht die Einzige in Jogginghosen. Aber die allermeisten Gäste trugen doch ihre üblichen Ausgeh-Beinkleider. Dosenbier scheint kein gutes Lockmittel zu sein. Als Veranstalter hätte ich den Eintrittspreis erst einmal um fünf Euro erhöht – um ihn den Jogginghosenträgern um eben diese fünf Euro wieder zu erlassen. DAS hätte gezogen, da bin ich mir sicher!
